Trumps Käfigparty spaltet Washington

von Redaktion

Kampfsportfan: Bei einem UFC-Event wird Donald Trump ein Championship-Gürtel umgelegt – vor dem Weißen Haus entsteht schon die Arena für seine Party. © IMAGO/White House

Washington – Eine Sportarena vor dem Bundestag? Allein der Gedanke wirkt seltsam. So etwas würde in Deutschland heftige Diskussionen auslösen. In den USA hingegen ist genau das gerade Realität. Auf dem Südrasen des Präsidentensitzes in Washington wächst seit Wochen ein Ungetüm in die Höhe. Tribünen, Flutlichtmasten, ein gewaltiger Lichtbogen – und mittendrin ein achteckiger Kampfsportkäfig der UFC. Kampfsport, wohlgemerkt. Nicht Football, nicht Baseball – sondern Mixed Martial Arts, kurz MMA.

Wer damit nichts anfangen kann, dem hilft ein kurzer Vergleich: Die Ultimate Fighting Championship, kurz UFC, die weltgrößte Organisation für MMA, ist für den Kampfsport das, was die Champions League für den Fußball ist. Die Athleten vereinen Disziplinen – Boxen, Ringen, Kickboxen, Jiu-Jitsu – und treten in einem achteckigen Käfig gegeneinander an. Für Fans ist es Hochleistungssport mit globalen Stars. Außenstehende erinnert es an moderne Gladiatorenkämpfe.

Und genau diese Organisation richtet am 14. Juni vor dem Weißen Haus „UFC Freedom 250“ aus. Das Datum ist sorgfältig gewählt: Es ist der amerikanische Flag Day, Teil der Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeit – und der 80. Geburtstag von Präsident Donald Trump.

Das Weiße Haus ist nicht einfach die Dienstresidenz eines Präsidenten. Es ist eines der bekanntesten politischen Symbole der Welt. Hier empfangen amerikanische Präsidenten Staatsgäste, wenden sich in Krisenzeiten an die Nation und verkünden Entscheidungen von weltweiter Bedeutung. Dass dort nun ein Kampfsportkäfig steht, macht die Veranstaltung zu weit mehr als einem Sportabend.

Dass ausgerechnet die UFC vor dem Weißen Haus gastiert, hat eine Vorgeschichte. Anfang der 2000er-Jahre stand sie kurz vor dem Bankrott. Mehrere US-Bundesstaaten hatten Kämpfe verboten, Senator John McCain nannte den Sport „menschliche Hahnenkämpfe“. Trump reichte der Liga die Hand – im Trump Taj Mahal in Atlantic City fanden mit UFC 30 und UFC 31 zwei wichtige frühe Veranstaltungen statt. UFC-Chef Dana White hat das nicht vergessen. Aus der Geschäftsbeziehung wurde eine enge persönliche und politische Verbindung. White unterstützte Trump in allen drei Wahlkämpfen und führte ihn 2024 beim Republikanischen Parteitag auf die Bühne. Die Idee für das anstehende Event soll Trump selbst gehabt haben – bei einem UFC-Abend im Madison Square Garden, kurz nach seiner Wiederwahl. Als er den Vorschlag machte, soll White nur geantwortet haben: „Absolut.“

Der Grund liegt auf der Hand: Die UFC erreicht ein Publikum, das klassische Medien kaum noch gewinnen – junge Männer, die sich über Podcasts und soziale Netzwerke informieren statt über Zeitungen.

Doch auch die Kontroversen häufen sich: Die Plätze am Oktagon wurden nicht verkauft – der Großteil ging an Militärangehörige, der Rest per Einladung. Wer eine Million Dollar oder mehr spendete, erhielt laut Medienberichten einen privaten Empfang mit Trump inklusive Fototermin. Senator Adam Schiff leitete eine offizielle Untersuchung ein. Das geplante Begleitkonzert auf der National Mall scheiterte zudem: Fünf von neun Acts sprangen ab – darunter die Commodores, Martina McBride und Bret Michaels von Poison. Trump strich das Konzert und kündigte stattdessen eine MAGA-Kundgebung an.

Und die Arena? In einem TikTok-Video verglich Trump sie mit dem Eiffelturm – auch der sei einst als temporäre Konstruktion geplant gewesen. „Vielleicht nehmen wir sie nie wieder ab“, sagte Trump. Wirklich nur ein Witz?

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