Im Libanon kam es zuletzt wieder zu israelischen Angriffen – hier in der Hafenstadt Sidon. Trump droht indes dem Iran. © Mohammed Zaatari/dpa
Washington – Nach gegenseitigen Angriffen hat US-Präsident Donald Trump dem Iran erneut gedroht. „Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!“, schrieb Trump am Nachmittag deutscher Zeit auf seiner Plattform Truth Social. Später legte er im Weißen Haus nach und kündigte neue Angriffe trotz Waffenruhe an. „Wir haben sie gestern hart getroffen und wir werden sie heute wieder hart treffen“, sagte er. Man habe kurz vor einem Abkommen gestanden. „Aber sie halten uns hin, sie halten uns weiterhin zum Narren.“ Die Verhandlungen über ein Kriegsende ziehen sich seit Wochen hin.
Trump hatte den Iran für den Abschuss eines Kampfhubschraubers vor der Küste des Omans verantwortlich gemacht und am Dienstagabend Vergeltung angekündigt. In der Nacht zum Mittwoch bombardierte das US-Militär im Iran dann Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Bereich der Straße von Hormus. Das US-Militär sprach von einer „verhältnismäßigen“ Antwort. Teheran griff daraufhin laut iranischen Medien US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an, unter anderem mit ballistischen Raketen. US-Medien zufolge erfolgten die Angriffe im Iran in drei Wellen und richteten sich gegen rund 20 Ziele. Wegen der Angriffe sollen tausende Iraner ohne Wasser sein.
Schon kurz nach Kriegsbeginn am 28. Februar hatte sich Trump optimistisch gegeben, dass die USA ihre Ziele im Iran schnell erreichen könnten. Das Narrativ änderte er auch trotz stockender Verhandlungen nicht. Am Mittwoch erklärte Trump Irans Militär einmal mehr für weitgehend besiegt. Die iranischen Streitkräfte seien „ein einziges Chaos“, schrieb er. Große Teile davon, etwa die Marine und Luftwaffe, existierten nicht mehr. „Sie wurden vollständig besiegt“, schrieb Trump weiter, „der Tyrann des Nahen Ostens ist TOT!!!“.
Vor Tagen hatte der US-Präsident dem TV-Sender NBC News die Einschätzung abgegeben, dass der Iran noch über gut ein Fünftel seines Raketenarsenals verfüge. Das seien immer noch viele Raketen, aber nicht mehr das, was sie anfangs hatten.
Trump betonte außerdem auf Truth Social, dass der Iran wirtschaftlich stark geschwächt sei. Die von den USA verhängte Blockade iranischer Häfen sei äußerst effektiv und wirke wie eine „STAHLMAUER“, schrieb der Präsident. Die Islamische Republik könne keinerlei Geschäfte mehr machen und weder ihre Rechnungen noch ihr Militär finanzieren.
Die USA hatten als Reaktion auf die faktische Blockade der Meerenge durch den Iran selbst eine Blockade von iranischen Häfen verhängt, um das Land, das wirtschaftlich auf Ölhandel setzt, zu schwächen. Die USA versuchen seit Längerem vergeblich, die Straße von Hormus wieder freizubekommen. Die weltweiten Energiepreise schossen mit Kriegsbeginn nach oben, was die Trump-Regierung unter Druck setzt.
Die US-Regierung hatte zu Beginn des seit Ende Februar andauernden Iran-Kriegs einen schnellen Sieg binnen vier bis sechs Wochen versprochen. Die Bemühungen um ein Kriegsende und eine Öffnung der strategisch bedeutenden Straße von Hormus für die Schifffahrt und den Ölhandel stocken aber seit Wochen.
Eine Delegation aus dem Golfemirat Katar traf nun einem Bericht zufolge für diplomatische Gespräche in Teheran ein. Angeblich soll über Bemühungen für ein dauerhaftes Ende des Kriegs gesprochen werden. Katar gehört neben Pakistan und dem Oman zu den wichtigen Vermittlern. Zuletzt hatten gegenseitige Angriffe zwischen den USA und dem Iran wieder Sorgen vor einer neuen Eskalation befeuert.DPA