Kaum irgendwo ein Rechtsruck im Betriebsrat

von Redaktion

München – Es war die Angst vor dem Rechtsruck durch die Hintertür. In diesem Frühjahr wurden in Bayerns Firmen neue Betriebsräte gewählt. In mehreren Branchen gab es die Sorge, auch gespeist aus Gesprächen vorm Werkstor, die AfD könnte mit parteinahen Kandidaten oder radikal rechten Tarnlisten Erfolge erzielen. Mit etwas Abstand setzt sich Gelassenheit durch. Fast nirgends ist es so gekommen.

„Die Strategie, wenn es die von der AfD gab, ist grandios gescheitert“, sagt Bayerns DGB-Chef Bernhard Stiedl gegenüber unserer Zeitung. „Die AfD fand weder Kandidaten, die Listen einbrachten, und wenn, sind sie von den Beschäftigten nicht gewählt worden.“ Einzig bei Audi in Ingolstadt gab es ein nennenswertes Resultat – 3,7 Prozent für eine „Zentrum“-Liste. Die „alternative Gewerkschaft“ weist jede offizielle AfD-Verbindung von sich, es gibt aber klare personelle Überschneidungen und ideologische Nähe. Bei Audi reichte das für zwei von 55 Sitzen im Gesamtbetriebsrat.

Anders als befürchtet blieb eine Welle in anderen Betrieben auch in der von Krise und Strukturwandel (und Verbrennerverbot) schwer gebeutelten Auto- und Zuliefererbranche komplett aus. Kein „Zentrum“ an einem der BMW-Standorte, außerhalb Bayerns nur wenig Präsenz. Darunter: das Mercedes-Werk Stuttgart-Untertürkheim, wo die Wurzeln der Gewerkschaft liegen und sie 21 Prozent holte, und zwei weitere Werke; zudem kleinere Erfolge mit nahestehenden Listen in Sachsen und Thüringen.

Stiedl betont, landesweit seien bei 3400 einzelnen Wahlen über 80 Prozent der Mandate an den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften gegangen: „Die Beschäftigten wissen sehr wohl, wer ihre Interessen vertritt.“ Die IG Metall will nächste Woche erste Detail-Zahlen für Bayern öffentlich vorstellen.CD

Artikel 1 von 11