Söder auf Mission Machterhalt

von Redaktion

Die Unruhe in der CSU

Es klang nach einer Nachricht für politische Feinschmecker diese Woche: Die Hanns-Seidel-Stiftung will einen neuen Vorsitzenden wählen, Generationswechsel von Markus Ferber (61) zu Klaus Holetschek (61). Das große Bild hinter der kleinen Personalie ist deutlich spannender. Der Wechsel ist Teil der Mission Machterhalt von CSU-Chef Markus Söder.

Das Murren über ihn ist in der CSU nicht mehr zu überhören, die Sorge vor einer Wahlniederlage 2028 wächst. Er steuert gegen, planvoll. Der zentrale Zug war, Ilse Aigner als mögliche Bundespräsidentin auszurufen. Die Oberbayerin, populär und bürgernah, wäre fürs Amt in dieser Zeit top geeignet. Für Söder kommt hinzu: Die in Bayern stärkste potenzielle Rivalin wäre dann in Berlin fest und final gebunden. Der Stiftungs-Vorsitz für Holetschek folgt mit anderer Logik dem gleichen Plan. Der Landtagsfraktionschef, von dessen Loyalität abhängt, ob die Abgeordneten aufs Zugpferd Söder setzen für 2028, wird mit einer ungewöhnlichen Doppelfunktion aufgewertet. Er darf künftig auch ein Chefstratege sein, wenn er die Stiftung wirklich zum „Think tank“ für die CSU formt. Einen jungen Generalsekretär in der Stiftung bekommt er an die Seite, auch das schafft Bindung.

Hinzu kommt Söders Stilwechsel. Man darf sich feuilletonistisch belustigen über das Ende der „Söder isst“-Posts. Strategisch ist das aber eine gravierende Korrektur, Reichweite preiszugeben für den Ansatz größerer Ernsthaftigkeit. Söder würd‘s nicht tun, wäre ihm der Ernst seiner Lage nicht klar.

Reicht das? Freund/Feind/Parteifreund antworten ehrlich achselzuckend. Schnell eskalieren wird nichts. Das Netzwerk, das sich der Ministerpräsident mit Bienenfleiß knüpfte, indem er ein Jahrzehnt von Dorf zu Dorf jagte, von Festzelt zu Feuerwehrjubiläum, ist groß. Auch der gemeinsame Groll über Berlin schweißte die CSU stets zusammen, ob sie dort mitregierte oder nicht. Wenn sich aber CSUler weiter gegenseitig Frustbriefe schreiben, wenn neue Umfragen einschlagen mit Schock-Werten von 32 Prozent, also fast jeder Stimmkreis wackelt; wenn es mit Aigner nicht klappt; wenn sich Opposition oder gar die eigenen Leute erinnern an Söders Idee eines Zehn-Jahres-Amtszeitlimits: Dann wird es stürmisch in München ab Herbst. Der Parteitag im Oktober und die CSU-Klausuren im September 2026 und Januar 2027 sind spannende Wegmarken.

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