Im Wahlkampf hatte Donald Trump den Amerikanern noch ein billigeres Leben in Überfluss versprochen, nun schlägt er neue Töne an: „Ich liebe die Inflation“, schwärmt der US-Präsident den US-Bürgern, die derzeit mit vier Prozent Preisanstieg kämpfen, jetzt vor. Eine Erklärung für seine neue Liebe liefert er zwar nicht, die dürfte aber banal sein: Vielleicht lindert es ja die Wut der inflationsgebeutelten US-Wähler, ihnen steigende Preise als etwas Gutes zu verkaufen.
Man könnte über diese Episode schmunzeln. Doch der planlose Iran-Krieg, der Trump zunehmend entgleitet, trifft auch uns Deutsche. Und das nicht nur beim Heizen und Tanken. Die hohen Energiepreise belasten die ohnehin lahmende Wirtschaft, Deutschland droht die Rezession. Gleichzeitig frisst sich der Preisanstieg immer weiter durch das Warenregal. Die EZB reagiert jetzt als erste Notenbank weltweit auf den Energieschock und hebt die Zinsen erstmals seit 2023 an. Das verteuert Kredite, erschwert Investitionen, bremst die Wirtschaft weiter – und kostet Jobs.
Deutschlands Misere wird Trump nicht jucken, doch zu Hause hat er ein Problem: Vor den wichtigen Zwischenwahlen im November steigt die Wut, er sackt in der Wählergunst ab. Vermutlich wird er deshalb versuchen, den Krieg schnell zu beenden und auch diese Niederlage schamlos in einen Sieg umzumünzen.ANDREAS.HOESS@OVB.NET