Ilse Aigner (CSU), Bezirksvorsitzende und Präsidentin des Landtags. © Sven Hoppe/dpa
München – Es war ein Start im Streit. Als sich im Januar 1946 in München die CSU Oberbayern gründete, sah sie sich als Sammelbecken der Konservativen, Katholischen – in Abgrenzung zum liberalen Flügel vor allem aus Nordbayern. Drei Jahre dauerte es, so schreiben Historiker, bis sich die zwei Lager wirklich zu einer gemeinsamen Volkspartei zusammenfanden. Dann aber folgten Jahrzehnte, in denen die CSU, und vor allem die Oberbayern, das Land prägten und regierten. Mit wenigen Unterbrechungen bis heute.
80 Jahre ist die Gründung her, eigentlich 80,5, also numerisch kein spektakuläres Jubiläum. Am Samstag findet sich die Oberbayern-CSU aber in spannender Besetzung zusammen, um auf ihre Anfänge zurückzuschauen. Ein halbtägiger Bezirksparteitag in Kloster Andechs soll die 80 würdigen.
Auf den ersten Blick wird es ein Doppelauftritt von Parteichef Markus Söder und der Oberbayern-Vorsitzenden Ilse Aigner. Söder/Aigner, das wird ja immer mit Neugier verfolgt, aktuell besonders: CSU in Unruhe, dazu Hoffnungen auf Aigner als Bundespräsidentin. Auf den zweiten Blick wird die CSU eine Art Klassentreffen erleben. Vor allem die oberbayerischen Minister aus den legendären Edmund-Stoiber-Kabinetten von 1993 bis 2007 treffen in Gesprächsrunden aufeinander: die bekanntesten sind Otto Wiesheu, Thomas Goppel, Christa Stewens.
Gerade was die ehemalige Sozialministerin ihrer Partei zu sagen hat, kann spannend werden. Stewens will über Reformen reden, das Mega-Thema in Berlin, wo schmerzhafte Hauruck-Beschlüsse anstehen. Kernbotschaft: Nehmt die Betroffenen besser mit. Als Stewens für den ausgeglichenen Haushalt in Bayern drastisch kürzen musste, holte sie alle Verbände diskret zu sich, bat um Vorschläge. Und bekam viele Antworten statt blankem Protest. „Es war ein Experiment, es hat funktioniert“. Zu oft hätten die Menschen heute „das Gefühl, dass über sie hinweg entschieden wird“. Moderieren wird mehrere der Diskussionsforen die Rosenheimer Staatssekretärin Daniela Ludwig (Innenministerium).
Was einen Schatten über Andechs wirft, einen großen: Stoiber hat seinen Auftritt abgesagt. Nahestehende machen sich wachsende Sorgen um den 84-Jährigen. „Leider kann ich aus gesundheitlichen Gründen am Bezirksparteitag nicht teilnehmen“, schrieb Stoiber unserer Zeitung per SMS.CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER