Bryan Adams eröffnet die Ausstellung in Berlin. © dpa
München – Auch in der Mitte der Gesellschaft ist nicht alles so selbstverständlich, wie es klingt. Am Montag begeht Deutschland zum zweiten Mal den Nationalen Veteranentag, er dient dem Ziel, aktiven und ehemaligen Soldaten Anerkennung und Wertschätzung zukommen zu lassen. Dass dafür überhaupt ein eigener Tag angesetzt werden muss, spricht allerdings für sich. In der Mitte der Gesellschaft, wo die Bundeswehr ja ausdrücklich verankert sein soll, kann es manchmal ganz schön einsam sein.
In anderen Ländern gibt es die Tradition schon lange. In den USA ist der 11. November ein gesetzlicher Feiertag, die Briten feiern seit 2006 Ende Juni ihren „Armed Forces Day“. Deutschland hat sich in der Hinsicht lange schwergetan, obwohl Reservisten- und Veteranenverbände schon lange dafür plädieren. Die Bundeswehr war nie eine Institution, auf die das Land uneingeschränkt stolz war. Spätestens seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 stellt sie ein Paralleluniversum dar, das nur noch lose mit der Zivilgesellschaft verknüpft ist und eben nicht immer mittendrin ist.
Das soll sich ändern. Der erste politische Impuls kam von der Union, die im Herbst 2023, damals noch in der Opposition, einen Antrag im Bundestag einbrachte. Zur selben Zeit fanden in Düsseldorf erstmals die „Invictus Games“ statt, ein sportlicher Wettstreit für versehrte Soldaten, den der britische Prinz Harry ins Leben gerufen hatte. Sie sorgte dafür, das das Thema Fahrt aufnahm und auch die Ampel, speziell Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), offene Ohren hatte.
Wer in der demokratischen Mitte würde sich diesem Ziel auch verschließen wollen? Dass Deutschland seine Soldaten gut behandeln sollte, ist spätestens seit der Zeitenwende salonfähig geworden. Der inoffizielle Untertitel dieses Tages lautet dann auch: Wir lassen euch nicht allein. Für Pistorius ist es eine Gelegenheit, um die zu ehren, „die in letzter Konsequenz bereit sind, das Äußerste für andere zu geben und die ihr Leib und Leben für unser Land einsetzen“. Neben dem eher symbolischen Beitrag des Veteranentages steht auf der Agenda dann auch das Ziel, die medizinische und besonders psychologische Nachsorge für Veteranen zu verbessern, die bei ihren Einsätzen Traumata erlitten haben.
Was das konkret heißt, wird am kommenden Sonntag, wenn in Berlin die zentrale Veranstaltung ansteht, besonders anschaulich in einer Ausstellung zu sehen sein, die Bryan Adams am Reichstag selbst eröffnet. Der Kanadier ist nicht nur Rockstar, sondern längst auch ein weltweit renommierter Fotograf. In seinem Projekt „Wounded“ verewigte er britische Soldaten, die verletzt und verstümmelt aus Einsätzen im Irak und Afghanistan heimgekehrt waren.
Deutschlandweit werden die Veteranen in diesen Tagen gewürdigt, mit einem „Marsch der Wertschätzung“ in Duisburg oder einer „schwimmenden Wiesen“ in Schwerin. In Bayern ist ein gutes Dutzend Veranstaltungen von Hof bis Schliersee angemeldet, außerdem werden alle staatlichen Dienstgebäude am Montag beflaggt.MARC BEYER