Steuerfahnder suchen Influencer

von Redaktion

München – Sie kochen, tanzen, gehen essen oder ratschen einfach vor der Kamera. Was Influencer in Sozialen Medien tun, wirkt auf den ersten Blick oft privat, ist aber natürlich ein Geschäftsmodell – manchmal auch ein ziemlich lukratives. Denn Reichweite bringt Geld. Auch im Vergleich kleinere Accounts erhalten für Produktplatzierungen oder Erwähnungen oft Gutscheine oder mal eine schöne Reise gratis.

Studien zufolge gibt es in Deutschland rund 500.000 Influencer, 30.000 davon mit professionellen Strukturen. 81 Prozent der Social-Media-Nutzer im Alter von 19 bis 29 Jahren folgen mindestens einem ihrer Accounts. Im Jahr 2025 haben sie so alle zusammen ein Umsatzvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Tendenz klar steigend“, sagt Finanzminister Albert Füracker (CSU) unserer Zeitung. Aus den Steuererklärungen deutscher Unternehmen lässt sich zudem ableiten, dass diese schon im Jahr 2024 insgesamt 622 Millionen Euro für Werbung über Influencer ausgegeben haben. Auch hier dürfte der Betrag seither noch gestiegen sein.

Für all das fallen Steuern an. Es gibt jedoch in deutschen Finanzministerien berechtigte Zweifel daran, dass diese auch immer bezahlt werden – ob nun absichtlich oder aus Unwissenheit. Das zu entdecken, ist für die Behörden nicht ganz einfach – etwa weil Pseudonyme benutzt werden, oder Beiträge nach kurzer Zeit wieder verschwunden sind.

Um dem nachzugehen, hat Fürackers Haus eine Spezialeinheit E-Commerce ins Leben gerufen, angesiedelt am Landesamt für Steuern, bei der Sondereinheit Zentrale Steueraufsicht. Sie hat seit einigen Jahren insbesondere auch Influencer im Blick. Von der Münchner Maxvorstadt aus hat sich diese Einheit über ein internationales Gruppenauskunftsersuchen bereits rund 60.000 ganz Deutschland betreffende Datensätze für die Jahre 2024 und 2025 von einschlägigen Plattformen besorgt. „Aus diesem Material lassen sich Umsätze in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden Euro nachvollziehen“, sagt Füracker. 211 Millionen Euro davon betreffen Bayern, die Hälfte davon haben Fürackers Leute bereits ausgewertet und dadurch Nachzahlungen in Höhe von 550.000 Euro erzielt. Damit saniert man keinen Haushalt, setzt aber ein Zeichen.

Ein weiteres Auskunftsersuchen wurde im Dezember gestellt – neben einer großen Influencer-Agentur insbesondere bei einer Agentur aus dem stark wachsenden Gaming-Bereich. „Zur Auswertung setzen wir KI-gestützte Spezialsoftware ein“, sagt Füracker, und appelliert an säumige Schuldner. „Jeder, der geglaubt hat, er wird nicht erwischt, sollte besser jetzt noch schnell reinen Tisch machen und nachzahlen.“

Mehr Geld zu holen gibt es zumindest bisher noch auf dem Feld Kryptowährungen. Schätzungsweise bis zu 16 Prozent der Deutschen besitzen davon Bestände oder handeln damit. Studien gehen davon aus, dass 2024 hieraus mehr als 17 Milliarden Euro an Kryptogewinnen zu versteuern gewesen wären. Auch diesen Daten-Dschungel durchkämmt eine neue Einheit mit sechs Mitarbeitern mit KI-Hilfe – mit erstem Erfolg: Seit Ende März hat die Finanzverwaltung für 7,5 Millionen Euro an Steuer-Plus gesorgt. Sprich: Nachzahlungen. Ab 2027 ist laut Füracker auch der Abgleich mit Einkommensteuererklärungen möglich und vorgesehen.SEBASTIAN HORSCH

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