KOMMENTAR

Bairisch vor dem Verwässern schützen

von Redaktion

Dialektpflege mit KI

Wer Dialekt spricht, ist zu einfältig für die Hochsprache? Dieser Schmarrn ist längst widerlegt, und zwar durch die Wissenschaft. Dialekt fordert das Gehirn wie eine Fremdsprache, Dialekt macht schlau! Es ist aber nun einmal die Wahrheit, dass immer weniger Menschen in Bayern Bairisch sprechen, wie sie es daheim gelernt haben. Vor allem außerhalb der eigenen vier Wände verbreitet sich schleichend, aber stetig das glattgekämmte Fernseh-Bairisch aus Serien wie „Dahoam is Dahoam“. Dabei ist das doch großartig: Legt ein Mittenwalder los, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, versteht ihn schon in Bad Tölz keiner mehr. Das ist es, was Bayern ausmacht – ein lebendiger, unglaublich vielfältiger Schatz. Da kommt kein Wörterbuch hinterher.

Bevor dieses Erbe verwässert, wollen Dialektpfleger das Bairische mithilfe Künstlicher Intelligenz archivieren. Dank der neuen Technik geht das so präzise wie nie zuvor. Das Erfassen aller Dialekte ist der erste, gewaltige Schritt. Der zweite ist noch Zukunftsmusik – aber wie toll wäre es, wenn Filme mit Mikro-Dialekten vertont werden könnten! „Pumuckl“ auf Mittenwalderisch? „Wer früher stirbt, ist länger tot“ im Dialekt des nordöstlichen Dachauer Hinterlands? Wie auch immer. Sprache muss leben – dann bleibt sie auch erhalten.

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