Weber oder Söder? Die CSU braucht beide

von Redaktion

Nach dem Pfingstbrief

Die Form des Briefes ist in Zeiten von WhatsApp und Social Media leider aus der Mode gekommen – aber auch mit diesem altertümlichen Format kann man noch einiges erreichen. Das gilt zumindest für den Pfingstbrief von Manfred Weber, den einige in der CSU für unpassend und egoistisch hielten. Markus Söder jedenfalls, der nicht genannte Hauptadressat, verkündete gestern ein wahres Feuerwerk an Maßnahmen, mit denen er seiner Partei mehr inhaltliche Tiefe und interne Kommunikation verschaffen will.

Es ist der richtige Weg. Der Ministerpräsident, dem neben dem großen Ego auch ein außergewöhnlich gutes politisches Gespür gegeben ist, hat erkannt, dass ihm das Grummeln in der Partei gefährlich werden könnte. Und dass es nicht reicht, wenn sich seine Neuausrichtung in einem konzilianteren Ton und optischer Seriosität (ohne Bart, dafür mit Krawatte) erschöpft.

Webers Kritik traf Punkte, die dem Ansehen der CSU zuletzt ein paar Kratzer verpassten. Vor allem die zu starke Fokussierung auf ihren Parteichef und eine gewisse inhaltliche Beliebigkeit. Es ist deshalb richtig, Prioritäten neu zu setzen und theoretische Grundlagen für das zu schaffen, was im Alltag dann in Gesetze gegossen wird. Gerade jetzt, wenn so fundamentale Reformen anstehen.

Den Brief aufs Personelle – Weber gegen Söder – zu reduzieren, griffe zu kurz. Viele in der CSU spüren: Es braucht beide. Auch wenn sie nur das Nötigste miteinander sprechen.

Artikel 1 von 11