Die Straße von Hormus: Der Iran beansprucht die Kontrolle und verlangt wohl Gebühren. © afp-Grafiken
Berlin – Vor sieben Wochen berichtete die Fregattenkapitänin knapp: „Stimmung an Bord: gut und motiviert.“ In Kiel war das, Inka von Puttkamer, Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwaders, meldete bei einem Pressetermin volle Einsatzbereitschaft. Nun könnte es ernst werden für die deutsche Marine: Nach dem Iran-Deal, sollte er wirklich Bestand haben, steht konkret im Raum, ob die Bundeswehr beim Minenräumen in der Gegend von Hormus helfen soll.
Das sagt die Bundesregierung: „Wenn ein entsprechender Rechtsrahmen besteht und wir einen sinnvollen Beitrag zur freien Schifffahrt leisten können, wird sich Deutschland sicher daran beteiligen“, sagt Florian Hahn (CSU), Staatsminister im Auswärtigen Amt, unserer Zeitung. Die Marine habe Vorbereitungen bereits getroffen, nötig seien dann eine Kabinettsentscheidung und ein Bundestags-Beschluss. „Fast die ganze Welt leidet ökonomisch massiv an den Folgen der Sperrung von Hormus“, so Hahn.
Bisher gibt es noch viele Fragezeichen. Wie viele Minen der Iran wirklich in der Meerenge gelegt hat (und ob überhaupt), ist unter Experten umstritten. Ein internationaler Einsatz hätte dann die Aufgabe, die Sprengsätze zu finden und zu entschärfen. Die Deutschen gelten als Profis beim Räumen. Zudem würde es um die Überwachung des Schiffsverkehrs gehen, um Zwischenfälle zu vermeiden. Dies würde auch aus der Luft geschehen, da sind unter anderem deutsche Drohnen im Gespräch.
Wer hilft mit? Vermutlich gäbe es eine große internationale Koalition. Frankreich und Großbritannien hatten sich im April zu einer militärischen Sicherung des Schiffsverkehrs bereit erklärt. Laut Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben insgesamt rund 50 Länder und internationale Organisationen ihre Bereitschaft erklärt, sich an der Mission zu beteiligen oder diese zu unterstützen. Sie soll nur mit dem Einverständnis Teherans gestartet werden. Frankreich hat den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ seit Anfang Mai in der Region und könnte innerhalb weniger Tage Militärmaschinen und auch Fregatten dort einbringen. Deutschland hat seit Anfang Mai zwei erste Schiffe zumindest im östlichen Mittelmeer, allerdings wegen der geringen Geschwindigkeit rund eine Woche Fahrzeit entfernt: das Minenjagdboot „Fulda“ und den Tender „Mosel“, ein Versorgungsschiff.
Wie funktioniert das? Die „Fulda“ mit gut 40-köpfiger Besatzung ist ein Minenjagdboot der „Frankenthal“-Klasse. Die Schiffe sind darauf spezialisiert, Gefahren unter Wasser zu entdecken und zu beseitigen. Dabei kommen neben kabelgelenkten Unterwasserdrohnen auch Überwasserdrohnen zum Einsatz, die Motorengeräusche und das Magnetfeld von Schiffen simulieren und so Grundminen zur Detonation bringen. Minentaucher können zudem Sprengkörper an schwer zugänglichen Stellen wie in Häfen unschädlich machen.
Welches Mandat greift? Bedingung für den deutschen Einsatz wäre auch, dass wirklich Waffenruhe herrscht. Das hat Verteidigungsminister Boris Pistorius, der die deutschen Fähigkeiten hervorhob, klargemacht. Ein wackeliger Punkt, weil die Kämpfe mehrfach aufflammten. Woher das internationale Mandat kommt, wird derzeit diskutiert. Laut „Politico“ ist eine UN-Mission im Gespräch und eine Ausweitung der EU-Mission Aspides, als eher unwahrscheinlich gilt ein Nato-Einsatz.
Was will Trump? Bisher hat sich US-Präsident Donald Trump noch nicht festgelegt, ob er die Hilfe überhaupt will. Beim G7-Gipfel sagte Trump in Richtung Macron: „Ich denke, wir brauchen nicht viel Hilfe, da wir ja ein Abkommen haben.“ Es sei aber vielleicht „keine schlechte Idee, ein, zwei Schiffe von einigen Ländern dort zu haben“.
Die deutsche Marine hat übrigens auch personell für den Einsatz vorgesorgt: Für das Minensuchgeschwader in Kiel gilt seit einigen Wochen eine Urlaubssperre.