Horst Köhler trat 2010 als Bundespräsident zurück, weil er heftig für die Aussage kritisiert wurde, die Bundeswehr müsse im Notfall auch für freie Handelswege kämpfen. Die damalige, völlig überzogene Diskussion war auch deshalb zutiefst unfair, weil Köhler nur das wiedergegeben hatte, was ganz offiziell im Weißbuch der Bundeswehr als Aufgabe der Truppe aufgeführt ist.
Jetzt, 16 Jahre später, wird aus der theoretischen Überlegung Ernst: Wenn am Freitag die US-iranische Vereinbarung über die Beendigung der Kämpfe tatsächlich unterschrieben wird, wird der Bundestag wohl schnell darüber entscheiden müssen, ob Deutschland den Frieden sichern hilft. Die Minenräumer der Marine gelten als besonders gut – diese Kompetenz jetzt zum Schutz von Handelsschiffen zu nutzen, scheint eigentlich selbstverständlich.
Heikel wird das Ganze aber deshalb, weil Trumps Deal derart wacklig ist, dass die Kampfhandlungen jederzeit wieder losbrechen könnten. Dieser Bundeswehr-Einsatz wird also brandgefährlich. Jetzt rächt sich, dass wir als Gesellschaft nicht schon 2010 auf Köhler gehört haben. Er wollte damals, in relativ friedlichen Zeiten, die Diskussion anstoßen, ob die Gesellschaft bereit ist, für die Verteidigung des Wohlstands notfalls auch Todesopfer hinzunehmen. Die heutige kriegerische Realität lässt kaum noch Platz für Diskussionen. Es ist keiner Handelsschiff-Besatzung zuzumuten, ohne Schutz die gefährliche Fahrt durch die Golf-Meerenge zu wagen. Wer will, dass das Öl weiter fließt und Geschäfte weiter mit Waren aus aller Welt gefüllt sind, der kann sich diesem Bundeswehr-Einsatz eigentlich nicht verweigern.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET