Es ist ein Skandal: Wir schreiben das Jahr 2026 – und noch immer gibt es in Deutschland bei den Frauenrechten große Lücken. Denn trotz sämtlicher Gleichstellungsbemühungen sind Frauen auch heutzutage Opfer von psychischer und physischer Gewalt, eben weil sie Frauen sind. Solche Hassverbrechen gipfeln sogar in Tötungsdelikten, und die bittere Erkenntnis ist: Bei der Sicherheit des eigenen Lebens sind Mädchen und Frauen hierzulande akut bedroht.
Deswegen ist es geradezu lebensrettend, sogenannte Femizide öffentlich zu thematisieren. Noch ist die Studienlage zu mau, die Gewalt-Dunkelziffer zu groß und der Femizid-Begriff zu ungenau. Oftmals lauert für Frauen die Lebensgefahr in den eigenen vier Wänden – wenn der (Ex-)Partner eine Trennung nicht akzeptiert. Dass 2025 rund 12.000 Plätze in Frauenhäusern fehlten und Hilfesuchende sogar abgewiesen wurden, ist ein gesamtgesellschaftliches Armutszeugnis. Klar, Deutschland schaut nicht tatenlos zu: Das neue Fußfessel-Gesetz bei häuslicher Gewalt etwa ist ein Gewinn für die Betroffenen – allermeist Frauen. Doch damit ist es längst nicht getan.
Es braucht ein umfassendes Konzept gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Dazu gehört Aufklärung, wann übergriffiges Verhalten anfängt. Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum, in dem Frauen straflos diffamiert werden können. Niederschwellige Angebote wie das Hilfetelefon (116 016) müssen konsequenter beworben werden – jede Frau sollte es kennen. Das direkte Umfeld und die Nachbarn müssen ermutigt werden, nicht tatenlos wegzuschauen.
Und auch juristisch muss nachgeschärft werden: Dass zum Beispiel ein Femizid statt als Mord als Totschlag gewertet werden kann, weil der Täter wegen seiner Eifersucht in Rage war und dadurch als vermindert schuldfähig angesehen werden kann, ist schlicht ein gebrochenes Schutzversprechen.