Der Clan-Boss putscht gegen den Paten

von Redaktion

Lukaschenko auf Distanz zu Putin

Als Boris Jelzin Ende der 90er-Jahre vor den Augen der Welt gesundheitlich und alkoholbedingt verfiel, witterte der ehrgeizige Belarusse Alexander Lukaschenko seine Chance, Präsident des damals neu gegründeten Staatenbundes von Russland und Belarus zu werden. Bekanntlich zerstoben die Träume des machthungrigen Diktators an einem noch machthungrigeren, damals völlig unbekannten KGB-Mann: Wladimir Putin.

Das Verhältnis zwischen Putin und Lukaschenko ähnelt auch deshalb eher dem zweier rivalisierender Mafia-Bosse als dem verbündeter Politiker. Doch seit der Massenproteste 2020 in Minsk, als Lukaschenko kurz vor dem Sturz stand, war klar: Putin ist der Pate – und Lukaschenko nur ein ihm untersteller Clan-Chef. Denn der russische Präsident rettete damals die Macht des Belarussen, dessen Land hängt zudem wirtschaftlich immer stärker am Tropf Moskaus.

Die Tatsache, dass Lukaschenko jetzt trotzdem offen Putins Sieg über die Ukraine infrage stellt und sich bei Wolodymyr Selenskyj entschuldigt, ist ein Indikator dafür, dass Putins Allmacht schwindet. Der Politikwissenschaftler Dmitri Oreschkin stellte einst die „eiserne Regel“ auf: „Wenn es Putin sehr schlecht geht, wird Lukaschenko den Westen breit anlächeln.“ Genau das scheint jetzt zu passieren. Spannend wird nun, wie Putin auf Lukaschenkos Distanzierung vom Krieg in der Ukraine reagieren wird: Mit Rache an dem „undankbaren“ Belarussen? Oder sieht er das drohende Überlaufen Lukaschenkos zum westlichen „Feind“ als Fanal, endlich doch eine Verhandlungslösung mit Kiew zu suchen? Leider passt die Rache-Variante eher zu Putins Psyche…KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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