Mögen Sie Guinness, Herr Generalkonsul?

von Redaktion

Sláinte, Herr Generalkonsul! James C. O’Shea © M. Schlaf

München – Eigentlich ist draußen das Wetter viel zu gut. Aber James C. O’Shea ist dennoch die Treppen ins Kennedy‘s am Sendlinger Tor hinabgestiegen, um an einem der Pub-Tische Platz zu nehmen. Und deshalb fragen wir den ersten irischen Generalkonsul in München gleich zu Beginn: Mögen Sie eigentlich Guinness? Ja, natürlich. Aber er mag auch das bayerische Bier. „Und wenn ich in Cork bin: Das Murphy‘s ist wirklich ausgezeichnet.“ Mehr Diplomat geht eigentlich nicht.

Seit September 2024 ist O’Shea in München. Der 52-Jährige, der aus Kerry im bei deutschen Touristen beliebten Südwesten der Insel stammt, begann aus dem Nichts. Bis heute residiert seine kleine Truppe in provisorischen Büros in der Brienner Straße. „Es ist gar nicht so einfach, in München repräsentative Räume zu finden, in denen man auch Veranstaltungen durchführen kann.“ Jahrelang wurde die grüne Insel nur durch einen Honorarkonsul vertreten, von 2001 bis 2023 war das der Unternehmer Erich Lejeune – ehe man sich in Dublin für den nächsten Schritt entschied.

1600 Iren sind in München gemeldet, 3500 in ganz Bayern. Wobei die Zahlen täuschen: Es leben viel mehr Iren im Freistaat. Wer eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, also etwa die Kinder vieler Iren, wird in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Diese Iren also werden mit dem Konsulat nun besser vertreten.

Doch eigentlich gab es einen anderen Grund für die irische Regierung, ihre Auslandsvertretungen neu aufzustellen. Nach der Wirtschaftskrise 2008, vor allem aber nach dem Brexit der Briten entschied sich die kleine Nachbarinsel, die eigenen Kontakte in die EU zu intensivieren. Eine Botschaft in Berlin gab es natürlich schon, aber 2019 eröffnete man in Frankfurt das erste Generalkonsulat auf dem europäischen Festland. Und nach einer kurzen Coronapause folgte dann München, von wo aus nun neben Bayern auch Baden-Württemberg betreut werden.

„Die irische und die bayerische Mentalität passen sehr gut zusammen“, sagt O’Shea. Sie feiern gerne, sind gesellig, fleißig und geschäftstüchtig, der Natur verbunden und oft auch katholisch. Und auch die Parallelen zwischen Dublin und München sind offensichtlich. In beiden Metropolen brummt die Wirtschaft, hier wie dort errichten die großen US-Firmen ihre Zentralen – von Google über Amazon bis Apple. „Deutschland ist Irlands größter Handelspartner in der Europäischen Union“, sagt der Generalkonsul – und der drittgrößte weltweit. Bislang ist vor allem Baden-Württemberg ein wichtiger Partner der Grünen Insel. Doch Bayern soll aufholen. Schon länger residiert deshalb Enterprise Ireland in München, die staatliche Wirtschaftsförderungsagentur der irischen Regierung, die irische Unternehmen mit denen im Freistaat vernetzen will.MIKE SCHIER

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