KOLUMNE ZUM IRAN-ABKOMMEN

Die Trump-Show muss weitergehen

von Redaktion

Mittlerweile wissen wir: Trump liebt den Konflikt. Noch mehr aber liebt er dessen Inszenierung. Die zweite Trump-Administration lässt sich deshalb am besten als eine Serie von Performances begreifen. Für Trump ist jeder Konflikt eine weitere Episode in einem Drama, dessen Hauptfigur er selbst ist. Nicht das Ergebnis zählt, sondern die Darbietung.

Die Theater-Saison ging mit dem Versprechen, den Krieg in der Ukraine „innerhalb eines Tages“ zu beenden, los. Bekanntlich geschah das nicht. Kriege lösen sich weder auf Befehl noch aufgrund eines Soundbites in Luft auf. Schon gar nicht ein Krieg, den Wladimir Putin begonnen hat und der tief in konkurrierenden Nationalismen und imperialen Ambitionen verwurzelt ist. Ein ernsthafter Politiker würde an diesem Punkt seine Annahmen überdenken. Trump nicht. Die Rolle des Friedensstifters bringt Aufmerksamkeit – und Aufmerksamkeit ist seine bevorzugte Währung.

So verkündete er am 13. Oktober 2025 ein Waffenstillstands- und Geiselabkommen zwischen Israel und der Hamas. Das Heilige Land sei endlich im Frieden angekommen. Nur einen Tag später stritten beide Seiten über die Einhaltung der Vereinbarungen. Die Kämpfe dauern bis heute an.

Warum also nicht ein neues Stück in der westlichen Hemisphäre aufführen? Der Schauplatz war Venezuela, wo eine Kampagne gegen mutmaßliche Drogenschmugglerboote zunehmend den Charakter eines maritimen Theaters ganz im Stil der Bregenzer Festspiele annahm. Kleine Boote wurden mit der vollen Macht des amerikanischen Verteidigungsapparats bekämpft. Die Operation weitete sich zur Festnahme Nicolás Maduros und zur Wiederherstellung amerikanischen Einflusses aus. Washington erklärte den Erfolg. Doch die Angriffe auf Boote gehen weiter. Jede Serie braucht schließlich einen Bösewicht.

Zurück in den Nahen Osten. Nach Monaten von Luftschlägen verkündet Trump erneut Erfolg: Eindämmung, Abschreckung, Frieden. Bemerkenswert ist dabei, dass dieselbe Regierung bereits 2025 erklärt hatte, Irans nukleare Fähigkeiten seien „vollständig und total ausgelöscht“ worden. Was vollständig ausgelöscht wurde, muss gewöhnlich nicht später erneut ausgelöscht werden. Aber das ist die Logik der Strategie, nicht die der Inszenierung.

Als Stratege ist Trump gescheitert. In Teheran wurde eine alternde geistliche Führung durch eine jüngere und entschlossenere ersetzt. Gleichzeitig sieht das neue Abkommen Sanktionserleichterungen und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte vor. In anderen Worten: Man bezahlt ein jüngeres Regime dafür, Meerengen zu öffnen, die bereits offen waren, und verzichtet auf nukleare Aktivitäten, die angeblich längst zerstört worden sein sollen.

Währenddessen läuft in Washington die innenpolitische Nebenhandlung weiter. Nach Buhrufen bei den NBA-Finals veranstaltete der Präsident zu seinem 80. Geburtstag ein Käfigkampf-Spektakel auf dem Rasen des Weißen Hauses. Gladiatorenästhetik scheint inzwischen Teil des Regierungsstils geworden zu sein.

Der imperiale Impuls hat sogar architektonische Ambitionen hervorgebracht: einen Triumphbogen. Natürlich soll der „Arc de Trump“ höher werden als der Arc de Triomphe. Aber darum geht es nicht. Wenn Paris einen Triumphbogen besitzt, muss Washington einen größeren haben. Wenn man einen Krieg schon nicht gewinnen kann, sollte man zumindest so tun, als hätte man ihn gewonnen.

Was nach anderthalb Jahren Trump 2.0 bleibt, ist weniger eine politische Bilanz als eine Landschaft aus Symbolen: Luftschläge, Waffenstillstandserklärungen, Käfigkämpfe und Triumphbögen. Man beginnt sich zu fragen, ob als Nächstes vielleicht Pyramiden folgen.

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