Klartext: Jan van Aken tritt als Co-Chef ab, Nachfolger wird Luigi Pantisano (kl. Foto). © IMAGO/dpa
München/Berlin – Nur ein Buchstabe trennt Luigi Pantisano davon, die Idealbesetzung für diesen Posten zu sein. Partisanen trotzen einem übermächtigen Gegner, sie kämpfen für eine gute Sache, klassischerweise die Freiheit. Wenn ein Mann dieses Namens eine Partei anführen will, welche könnte das wohl sein?
Am Wochenende kandidiert der Schwabe Pantisano (46) als Co-Vorsitzender der Linken. Die Entscheidung selber ist Formsache, seine Bewerbung gab er bekannt, wenige Stunden nachdem Amtsinhaber Jan van Aken seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen angekündigt hatte. Das kam nicht überall als pietätvoll rüber, wird die Wahl Pantisanos aber nicht gefährden.
Die Linken haben hohe Ziele. Die Mitgliederzahl soll auf 200.000 steigen, aktuell sind es rund 126.000. Seit der Bundestagswahl vor einem Jahr, als man sämtliche Erwartungen weit übertraf, halten sie vieles für möglich. Gewichtiger ist aber eine andere Perspektive. Im Herbst könnte die Linke die Partei sein, an der kein Weg vorbeiführt.
Bei allen drei anstehenden Landtagswahlen – Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern – könnte ihnen eine bedeutende Rolle zufallen. Besonders delikat ist die Konstellation in Sachsen-Anhalt. Aktuell ist die AfD dort nicht mehr weit von einer absoluten Mehrheit entfernt. Wenn die CDU überhaupt an der Macht bleiben will, wird sie mit der Linken kooperieren müssen. Wie auch immer das geschehen soll, denn weiterhin gilt ein Unvereinbarkeitsbeschluss.
Die Spielräume sind eng, es wird auf die Zwischentöne ankommen. Wichtig sei, „dass wir alle unser Gesicht behalten“, sagt die Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern. Das Parteibuch sei den Leuten im Zweifelsfall egal, solange Probleme gelöst würden. Das klingt simpler, als es ist. Soziale Gerechtigkeit ist nicht nur der Markenkern der Linken, sondern in ihren Augen auch das entscheidende Defizit der Union. Die Politik der Bundesregierung, empörte sich Pantisano gerade in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, habe „nur noch Verachtung für die Lebensleistung der Beschäftigten übrig“. Redet man so über einen künftigen Partner?
Andererseits: Sachsen-Anhalt wäre nicht das erste Bundesland mit kreativer Mehrheitsbildung. Auch in Thüringen und Sachsen gab es schon Momente, in denen CDU-geführte Regierungen auf die Stimmen der Unvereinbaren angewiesen waren. Pantisano spricht im Redaktionsnetzwerk Deutschland von „Konsultationen, ohne dass wir Teil einer Regierung sind“. Ein offizielles Bündnis aus CDU und Linken, gibt er zu bedenken, berge die Gefahr, „das Narrativ der AfD zu bedienen, wonach alle anderen Parteien gleich sind – und könnte ihr beim nächsten Mal erst recht eine absolute Mehrheit bescheren“.
Verglichen damit sind die Verhältnisse in den anderen beiden Ländern unkompliziert. In Mecklenburg-Vorpommern regiert die Linke bereits als Juniorpartner der SPD mit. In Berlin hofft sie, als Bestandteil eines Linksbündnisses mit Grünen und Sozialdemokraten zurück an die Macht zu kommen wie schon zwischen 2016 und 2023.
Dass es auch in der Hauptstadt einen gemeinsamen Weg mit der CDU geben könnte, ist hingegen kaum vorstellbar. Zu weit klaffen die Vorstellungen in zentralen Fragen auseinander. Luigi Pantisano, studierter Architekt und Stadtplaner, denkt wie seine ganze Partei radikal und sagt Wohnungskonzernen den Kampf an: „Eine Enteignung von Vonovia wäre eine der wichtigsten Aufgaben, um endlich die Abzocke der Mietmafia zu beenden.“ Doch momentan sieht es so aus, als müsse die Revolution ausfallen. In den Umfragen liegt die Linke nur auf Platz vier.