Kaum jemand hat sein politisches Dasein so sehr mit dem Kampf gegen die Mullahs verknüpft wie Benjamin Netanjahu. Was Trump ihm nun vor die Füße wirft, ist deshalb nicht nur ein schlechter Deal, es ist die Niederlage seines Lebens. Das Regime in Teheran lebt weiter und hat dem US-Präsidenten Zugeständnisse abgetrotzt, die es sich vor dem Krieg nicht hätte träumen lassen. Vor allem hat es einen Keil zwischen Washington und Jerusalem getrieben. In diesem Konflikt wird Israel nicht mehr auf seinen wichtigsten Verbündeten zählen können.
Man kann nun sagen, Netanjahu habe eben zu hoch gepokert – Pech gehabt. Aber es geht hier nicht um eine verrutschte Wette, sondern um die Sicherheit Israels. Und die hat sich, so viel ist klar, durch das US-Iran-Abkommen nicht verbessert.
Die Bedrohung durch Teheran ist nicht vom Tisch. Das Regime dürfte sich nach den vergangenen Kriegsmonaten eher angespornt fühlen, nun wirklich nuklear aufzurüsten. Wer glaubt, Not-und-Elend-Diplomaten wie das Duo Witkoff/Kushner könnten Teheran solche Ambitionen in den nächsten 60 Verhandlungstagen ausreden, kann nicht ganz bei Trost sein. Was sich stattdessen ankündigt, ist eine ewige Hängepartie ohne belastbare Zusagen. Zeit, die das Regime nutzen kann.
Außerdem steht Netanjahu vor einem ganz akuten Dilemma. Der Deal, an dem Israel nicht beteiligt ist und in dem es mit keinem Wort vorkommt, schließt auch eine Waffenruhe mit der Hisbollah im Libanon ein, also jener Iran-treuen Miliz, die das Leben im Norden Israels zum Russisch Roulette macht. Israel kann sich nun an den Trump-Deal halten und der Hisbollah beim Durchatmen zusehen. Oder den Kampf fortführen und den US-Präsidenten vor den Kopf stoßen.
An alldem trägt Netanjahu, der Trump mit der falschen Aussicht eines schnellen Sieges erst zum großen Kriegswagnis überredete, einen gehörigen Anteil. Er versprach seinem Land das Ende der Mullahs, die Neuordnung des Nahen Ostens – und liefert nun das glatte Gegenteil. Zu allem Überfluss liegt auch sein einst enges Verhältnis zu Trump in Trümmern. Für dessen Schmähungen der letzten Tage wird sich Netanjahu, der Wahlen vor der Brust hat, sicher revanchieren. Ein dauerhaft zerschnittenes Band zwischen Israel und den USA wäre wohl der größte Gewinn für die Mullahs.