Bayerns AfD-Chef Stephan Protschka warnt, der Landesverband könnte gekapert werden. © Daniel Löb/dpa
München – Würden sie es schlau anstellen, dann könnten sie dieses Wochenende schon vorab zu einem Triumph erklären. Der erste AfD-Parteitag in Passau, in der Dreiländerhalle, auf heiligem CSU-Terrain. Noch im Februar schmähte Markus Söder dort AfD-Chefin Weidel als „blonden Kühlschrank aus der Schweiz“. Jetzt ist es Bayerns AfD, die sich hier trifft. Aber es kündigt sich ein düsterer Parteitag an.
Am Samstag wird ein neuer Vorstand gewählt. Seit Wochen formieren sich zwei Lager, die sich immer unerbittlicher bekämpfen. Stephan Protschka will AfD-Chef bleiben, sein Bundestagskollege Reinhard Mixl fordert ihn heraus. So weit, so harmlos – aber das ist nicht die ganze Geschichte.
Im Lager um den aktuellen Chef fürchtet man, dass „externe Netzwerke“ den Landesverband „kapern“ könnten. So steht es in einem Brief Protschkas an Weidel und ihren Co-Chef Tino Chrupalla, der unserer Zeitung vorliegt. Darin ist auch von Drohungen gegen den Niederbayern die Rede. Als Beleg dienen private Chatnachrichten. Eine Parteikollegin schreibt etwa, Protschka habe „noch eine respektable Rückzugsoption“. Und weiter: „Nimm es an oder streich die Flagge. Wenn die Jagdsaison eröffnet ist, badet man nicht mehr im Ententeich.“
Protschkas Unterstützer sprechen von einer Kampagne. Dahinter soll ein Mann stecken, der zwar kein AfD-Mitglied ist, aber offenbar seit Jahren versucht, Einfluss auf die Partei zu nehmen: Tom R., Spitzname „Phantom“. Schon bei der Wahl des Fraktionsvorstands im Mai hatte er angeblich seine Finger im Spiel, auch damals gab es interne Warnungen. Der Bundesvorstand, längst sensibilisiert, verbot gerade erst die Zusammenarbeit mit ihm.
Wie groß Protschkas Sorgen sind, zeigen die jüngsten Videos auf seinen Social-Media-Kanälen. Darin spricht er ebenfalls von Einflussnahme von außen und deutet an, dass Parteifreunde gekauft worden seien. Es gebe Gerüchte, dass man manche „auf einmal mit einer Rolex rumlaufen sieht und mit maßgeschneiderten Anzügen“. Das so offen zu sagen, ist selbst für AfD-Verhältnisse untypisch.
Genau genommen kündigt sich der jetzige Machtkampf seit Monaten an. Konkret: seit Oktober 2025. Damals lehnte sich der Parteitag gegen einen großen Teil des Landesvorstands auf, acht von 13 Mitgliedern (nicht Protschka) sollten ihre Posten verlieren. Fast 60 Prozent stimmten dafür, eine Mehrheit, aber nicht genug. Die Angegriffenen von damals stützen jetzt Protschkas Herausforderer. Mixl, sagt ein AfD-Mann, sei bloß ihr Strohmann.
Tatsächlich hatte den Mann aus Schwandorf vor seiner Kandidatur kaum jemand auf der Rechnung. Intern fiel er besonders deshalb auf, weil der Verfassungsschutz sich bei seiner gerade bestätigten Beobachtung des Landesverbands auch auf Äußerungen Mixls stützt. Die AfD ging deshalb intern gegen ihn vor, ein Ausschluss stand im Raum. Am Ende gab es nur eine Abmahnung.
Im aktuellen Streit hält er sich bedeckt, fordert Geschlossenheit und Professionalität. Unter anderem an der mangele es Protschka, meinen Mixls Unterstützer. Zu ihnen zählen etwa die Landtagsabgeordneten René Dierkes und Dieter Arnold, der – wie Martin Böhm (Landtag) und Tobias Teich (Bundestag) – Vize werden will.
Der Ausgang ist völlig offen. Protschkas Unterstützer halten es sogar für möglich, dass das Gegenlager im Zweifel einen anderen Kandidaten präsentiert: Teich oder Rainer Rothfuß, dessen Kreml-Nähe vielen im Landesverband nicht behagt. Entscheidend wird sein, welcher Kandidat die meisten Mitglieder mobilisiert. Intern heißt es, der Umzug vom fränkischen Greding nach Passau könnte dem Team Mixl zugutekommen. Er selbst sei von der Ortswahl „vollkommen überrascht“ gewesen, sagt Protschka. Seine Gegner im Vorstand hätten sich die Halle schon angeschaut, „bevor ich überhaupt davon wusste“.