Kinderwunsch auf Knopfdruck: So oder so ähnlich stellen es sich manche Regierungen offenbar vor, wenn sie mit Werbekampagnen die sinkenden Geburtenraten ankurbeln wollen. Dass Frankreich als erstes eigentlich liberales EU-Land jetzt Post an 29-jährige Franzosen verschickt, mit der Aufforderung, doch mal über die eigene Familienplanung nachzudenken, ist massiv übergriffig. Unter dem Deckmantel der Aufklärung soll hier die Verantwortung für die drohenden, teils selbstverschuldeten gesellschaftlichen Gräben abgewälzt werden – und zwar in die Schlafzimmer der Bürger. Dabei ist Aufklärung über Unfruchtbarkeit nicht Aufgabe des Staates, sondern von Medizinern!
Bei der Lebensplanung müssen Regierungen vielmehr breit gefächerte Unterstützungsleistungen fördern – von lückenlosen Betreuungsangeboten bis hin zu flexiblen Arbeitsplätzen und Finanzleistungen für Familien. Noch immer kann – auch in Deutschland – die Familie vor allem für Frauen einen Karriereknick bedeuten. In Zeiten von Kriegen und Krisen ist das Kinderkriegen letztlich aber eine ganz individuelle Entscheidung, in die niemand reinregieren darf.