Einer der ersten, die Protschka (l.) zur Wiederweahl gratulierten, war sein Kontrahent Reinhard Mixl. © dpa
Passau – Der Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka bleibt Vorsitzender der bayerischen AfD. Nach einem erbittert geführten internen Machtkampf wurde der Niederbayer auf einem Landesparteitag in Passau im Amt bestätigt. Und das mit großer Mehrheit, weil es am Ende keinen Gegenkandidaten gab: Protschkas Bundestagskollege Reinhard Mixl, der eine Bewerbung Ende Mai öffentlich angekündigt hatte, trat doch nicht an. Für Protschka stimmten gut 79 Prozent der anwesenden Mitglieder.
Mixl war anschließend einer der Ersten, die Protschka gratulierten – und er bekam später doch noch einen Posten: Er wurde mit knapp 61 Prozent zu einem Beisitzer im Landesvorstand gewählt. Dem waren laut Mixl Verhandlungen und Absprachen zwischen beiden Teams vorangegangen.
Den Rückzug seiner Kandidatur begründete Mixl damit, dass die Mehrheitsverhältnisse im Saal so gewesen seien, dass es für ihn ein „hoffnungsloses Unterfangen“ gewesen wäre. „Wir brauchen ja Geschlossenheit“, sagte er. Er wolle Wogen glätten. Dass sein Team Beisitzer-Plätze habe herausschlagen können, sei „besser als nichts“.
In den vergangenen Wochen hatte hinter den Kulissen ein erbitterter Machtkampf getobt. Dies gipfelte etwa in einem Brief des Teams Protschka an den AfD-Bundesvorstand. Beklagt wurde darin „der gezielte Versuch externer Netzwerke, die freie Willensbildung unseres stärksten Landesverbandes zu kapern“. Protschka sah sich Drohungen ausgesetzt.
Als Protschka als alleiniger Kandidat feststand, spielte er die Querelen herunter: „Die Partei ist nicht zerstritten, meine Damen und Herren.“ Es gebe Meinungsverschiedenheiten und „halt Sachen, wo man sich vielleicht nicht ganz einig ist“. Protschka rief dazu auf, für die „gemeinsame Sache“ zu streiten. Bei der Wahl der Vizes, darunter Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, schallten dann aber wieder vereinzelte Buh-Rufe durch den Saal. Mixl befand trotzdem, man habe die „Gräben jetzt zugeschüttet“.
In seiner Rede griff Protschka insbesondere CDU und CSU frontal an. Kanzler Friedrich Merz (CDU) nannte er „Lügen-Fritze“. Und über Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) sagte er, diesen wolle man aus dem Maximilianeum jagen.
Beispiellos war schon der Beginn des Parteitags. Nicht wie üblich der Landeschef, sondern andere Vorstandsmitglieder wollten den Tätigkeitsbericht vorstellen. Der Parteitag stimmte dann aber mit großer Mehrheit dafür, Protschka das alleinige Wort zu erteilen. Spätestens da zeichnete sich ab, dass er mit einer Mehrheit würde rechnen können. Dafür sprach auch, dass der Parteitag einzelnen Mitgliedern des bisherigen Vorstands die Entlastung verweigerte.DPA