Die Partei der Selbstzerfleischung

von Redaktion

Protschka bleibt AfD-Chef

Er konnte es ja nicht ahnen, aber sein Zwischenruf passt wie die Faust aufs Auge. Die AfD, befand ihr Ex-Chef Bernd Lucke gerade, müsse sich zur „staatstragenden Reformpartei“ entwickeln. Wie utopisch das ist, zeigt ein Blick auf die jüngsten Vorgänge im bayerischen Landesverband: Staatstragend wird diese Partei in 1000 Jahren nicht sein.

Die unerbittlich geführten internen Schlachten der vergangenen Monate waren ja nur die x-te Ausprägung eines ewigen Prinzips. Erst tobte der Streit jahrelang zwischen dem nationalkonservativen und dem völkisch-extremen Lager der Bayern-AfD. In einer Phase des Scheinfriedens sortierten sich die Gruppen um – inzwischen verläuft die Frontlinie einmal quer durchs rechte Lager. Es geht nicht um ideologische Unterschiede oder ein strategisches Ringen um den Kurs der Partei, sondern um Rivalitäten, um persönliche Vorteile, darum, wer das Sagen hat. Nach dem Passauer Parteitag ist nichts besser: Im neuen Vorstand ist der Keim für den nächsten Streit schon angelegt.

Das ist, 13 Jahre nach ihrer Gründung, nicht mehr mit Gärigkeit oder Ähnlichem zu erklären, ganz im Gegenteil. Die AfD, die sich am angeblichen und tatsächlichen Elend der anderen fettfrisst, ist im Kern eine Partei der Ich-AGs, der Streitsucht und der Selbstzerfleischung. Die wenigen Vernünftigen sagen es im Stillen selbst: Charakterfestigkeit ist rar, Opportunismus die Regel – und das in einem Ausmaß, das man bei den sogenannten Etablierten nicht findet.MARCUS.MAECKLER@OVB.NET

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