KOMMENTAR

Die vielen Facetten der Zeitenwende

von Redaktion

Probleme der Litauen-Brigade

Die Krise als Chance, das ist im Verteidigungswesen nicht nur eine Floskel. Zuletzt sind die Bewerberzahlen bei der Bundeswehr markant gestiegen, was nicht nur an attraktiven Bedingungen und Imagekampagnen liegen dürfte, sondern auch an der politischen Weltlage. Der Sinn des Wehrdienstes war lange nicht mehr so offensichtlich – die These ist makaber, aber nachvollziehbar.

Umso ernüchternder sind die Schwierigkeiten, für die Litauen-Brigade Personal zu gewinnen. Freiwilligkeit ist ein entscheidendes Motiv des angestrebten Personalaufwuchses, nicht nur im Baltikum. Wenn sich dann nicht mal für eine der zentralen Einheiten ausreichend Personal findet, wie will man insgesamt ohne verpflichtendes Element auskommen?

Die Nöte bestätigen all jene, die das Konzept schon immer für unzureichend hielten, wenn nicht naiv. Im konkreten Fall kommen weitere Hindernisse hinzu: eine kleinlich anmutende Debatte über Auslandszuschläge, im schlimmsten Fall Rückzahlungen; eine Unterbesetzung in wichtigen, auch zivil gefragten Bereichen (IT) – wer ins Baltikum geht, fehlt zu Hause. Am Rande spielt auch ein Beförderungsstopp für Hauptfeldwebel hinein, der Zweifel an der Zuverlässigkeit des Arbeitgebers und der Planbarkeit der Karriere nährt.

Die Zeitenwende hat viele Facetten. Wer wie die Bundeswehr ein moderner, attraktiver, dabei lebenswichtiger Arbeitgeber sein will, muss groß denken. Er sollte aber nicht übersehen, dass vermeintlich banalere Details zur Stolperfalle werden können.

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