Es knarzt schon am ersten Tag

von Redaktion

Der Ort der Verhandlungen: das Bürgenstock Resort. © dpa

Das US-Verhandlungsteam: Vizepräsident JD Vance (l.) wartet zusammen mit Steve Witkoff (M.) und Jared Kushner (r.) auf ein Treffen mit Pakistans Premierminister Sharif. © dpa

Luzern/Teheran – Das Treffen im Luxusresort Bürgenstock hat gerade begonnen, als der US-Präsident eine Warnung an Teheran richtet. Der Iran müsse seine „hoch bezahlten Stellvertreter“ im Libanon – die Hisbollah – sofort daran hindern, Unruhe zu stiften, schreibt Donald Trump bei Truth Social. Sonst werde man „den Iran erneut sehr hart treffen“. Auch im Sender Fox News äußert sich Trump, zur Straße von Hormus. Er habe dem Iran mitgeteilt: „Wenn ihr sie schließt, habt ihr kein Land mehr.“

Als das bekannt wird, sitzen die Vertreter der USA, des Irans und der Vermittlerstaaten Katar und Pakistan schon beisammen. US-Vize JD Vance setzt eingangs einen optimistischen Ton. „Der Präsident hat uns aufgefordert, ein neues Kapitel aufzuschlagen und unser Verhältnis zum iranischen Volk neu auszurichten“, sagt er. „Allein in den vergangenen Stunden haben wir bereits große Fortschritte erzielt, und ich gehe davon aus, dass wir weitere Fortschritte machen werden.“

Doch Trumps Drohungen wirken an diesem Nachmittag wie ein Stimmungskiller. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim legt die iranische Delegation sofort Protest ein. Der Grund: Im Rahmenabkommen haben sich beide Staaten nicht nur dazu verpflichtet, auf Angriffe zu verzichten, sondern auch auf Drohungen. Die Nachrichtenagentur Irna meldet wenig später sogar, Irans Delegation habe den Verhandlungsort verlassen. Trumps Drohung sei als „beleidigend“ aufgefasst worden. Demnach seien die Verhandlungen „nach 80 Minuten Gespräch und einer Unterbrechung infolge der Veröffentlichung einer beleidigenden Nachricht des US-Präsidenten in eine schwierige Phase eingetreten“.

Die Lage ist bis Redaktionsschluss unklar. Es wirkt, als wolle Teheran den USA Grenzen aufzeigen – an einem kompletten Abbruch scheint die iranische Seite aber nicht interessiert. Die Amerikaner sollten sich bewusst sein, dass sie sich nicht in ihrer jetzigen ausweglosen Lage befänden, wenn solche Drohungen tatsächlich Wirkung hätten, erklärt Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf und empfiehlt „mehr Zurückhaltung“. Auch Irans Präsident Massud Peseschkian betont in Teheran, Diplomatie sei vorzuziehen.

Alles in allem ist es ein rumpeliger Auftakt jener Gespräche, die zu einem andauernden Frieden führen sollen. Viel Zeit dürfen beide Seiten nicht verlieren: Das Rahmenabkommen sieht 60 Verhandlungstage vor – mit Option auf Verlängerung.

Auch personell gibt es erste Verstimmungen. Die USA wollen den Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, gerne am Verhandlungstisch sehen, doch das iranische Team stellt sich Tasnim zufolge quer. Man habe derzeit keine Absicht, Gespräche mit dem IAEA-Chef zu führen. Die Atomfrage gilt als Knackpunkt in den schwierigen Gesprächen.

Neben Vance sind Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff dabei. Sie kümmerten sich um technische Aspekte der Verhandlungen, so Vance. Der Vize sagte vor seinem Abflug, er selbst werde nur ein oder zwei Tage in der Schweiz sein. Von iranischer Seite nehmen unter anderem Parlamentspräsident Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi teil. Pakistan schickt Premierminister Shehbaz Sharif. Es war zunächst unklar, wie lange die Gespräche auf Ebene der Verhandlungsführer dauern sollten.

Ursprünglich hätte am Freitag eine erste Gesprächsrunde stattfinden sollen, diese war aber wegen der gegenseitigen Angriffe Israels und der Hisbollah nicht zustande gekommen. Die Lage im Libanon droht grundsätzlich zum Störfaktor zu werden. Israel ist laut Verteidigungsminister Israel Katz nicht bereit, Einschränkungen beim Vorgehen im Südlibanon zu akzeptieren.

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