KOMMENTAR

Trumps Desaster

von Redaktion

Donald Trump hat die USA (und damit auch die Weltwirtschaft) in eine ausweglose Lage manövriert. Das Fehlen jeglicher strategischer Weitsicht rächt sich jetzt bitter: Der US-Präsident steht bei den Verhandlungen mit dem Iran ohne echtes Druckmittel da.

Denn das trotz der Tötung der alten Führungsriege felsenfest im Sattel sitzende Mullah-Regime weiß genau: Trump muss zu Kreuze kriechen, wenn er verhindern will, dass die hohen Spritpreise und die Inflation seinen Republikanern die US-Zwischenwahlen am 3. November verhageln. Dass JD Vance trotz der erneuten Schließung der Straße von Hormus zu den Verhandlungen nach Luzern reiste, entlarvt: Teheran kann die US-Regierung nach Gutdünken erpressen.

Trump hat nur ein einziges Drohpotenzial: neue Bombardements. Aber ein Wiederaufflammen des Krieges würde die weltweiten Ölpreise erneut nach oben treiben – und genau das kann der innenpolitisch mit dem Rücken zur Wand stehende Präsident nicht gebrauchen. Zudem würden neue Angriffe bei Verzicht auf den Einsatz von Bodentruppen die militärische Lage nicht grundlegend verändern.

Trump hat mit diesem Krieg nicht nur die Verbündeten in der Nato und in der arabischen Welt verprellt. Auch sein bislang enger Draht zu Benjamin Netanjahu ist gerissen. Der US-Präsident hat diesen Krieg im Schulterschluss mit dem israelischen Premier begonnen. Bei seinen Exit-Versuchen ignoriert Trump seinen Best Buddy einfach. Das rächt sich: Israel und die Hisbollah entscheiden, ob auch im Libanon die Waffen schweigen – und beide Seiten können die Verhandlungen in Luzern nach Lust und Laune torpedieren.

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