In einer Forschungsgruppe sind 18 von 19 Mitgliedern chinesischer Herkunft.
München/Saarbrücken – Ausgerechnet eine der Institutionen, die Deutschland vor ausländischen Hacker-Angriffen schützen soll, wird von IT-Experten aus China durchsetzt. Das „Handelsblatt“ deckte auf, dass es im Saarbrücker Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (Cispa) eine bedenklich intensive Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus China gibt. Sensible Daten und Know-how zu Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit könnten in die Volksrepublik abgeflossen sein.
123 wissenschaftliche Veröffentlichungen des Cispa wurden demnach trotz hoher Sicherheitsrelevanz mit fragwürdigen chinesischen Einrichtungen geteilt. Darunter sind mehrere Hochschulen, die auf Sanktionslisten der USA stehen. Einige der Universitäten, mit denen Cispa kooperiert, forschen explizit für die Landesverteidigung und für Chinas Rüstungsindustrie.
In einer Cispa-Forschungsgruppe zu Fragen von IT-Sicherheit, Datenschutz und KI sind 18 von 19 Mitgliedern chinesischer Herkunft. Eine andere Forschungsgruppe zur Schnittstelle von maschinellem Lernen und Datenschutz rekrutierte sich ausschließlich aus chinesischen Wissenschaftlern. Dazu muss man wissen: China verpflichtet seine Bürger seit 2017 per Gesetz dazu, bei Bedarf mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten.
Wegen der möglichen Sicherheitsmängel setzte Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) nun bei Cispa einen unabhängigen Sonderprüfer ein. Er soll unter anderem klären, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sind und ob dabei Rechtsverstöße begangen wurden. Zudem wird der wissenschaftliche Geschäftsführer, Michael Backes, bis zum Abschluss der Untersuchung freigestellt. Ebenso werden alle Forschungsprojekte mit chinesischen Partnern pausiert.
Die Gesellschafterinnen, also der Bund und das Saarland, stehen den Angaben zufolge zur Aufklärung in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes. Die Freiheit von Wissenschaft und Forschung ende dort, „wo Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland gefährdet werden“, hieß es zur Erläuterung. Der wissenschaftliche Leiter Backes erklärte, er unterstütze seine Freistellung und begrüße die Sonderprüfung „im Interesse einer lückenlosen Aufklärung“.
Das Forschungszentrum hatte dazu erklärt, Kooperationen und Projekte würden nach rechtlichen und anderen Vorgaben geprüft und bewertet. Es sei ein Beauftragter für Forschungssicherheit eingesetzt worden und der Aufsichtsrat habe am 10. Juni turnusgemäß die neue Forschungssicherheitsstrategie beschlossen.
Cispa gilt als Leuchtturmprojekt im Saarland. In den Neubau in St. Ingbert fließen rund 350 Millionen Euro aus dem saarländischen Transformationsfonds.KR