Erste Hürden für den Aufsteiger

von Redaktion

Andy Burnham war Bürgermeister in Greater Manchester – jetzt ist er ins britische Unterhaus eingezogen und will Labour-Chef werden. © Vaughan/EPA

London – Gleich an seinem ersten Arbeitstag im Parlament stellte Großbritanniens potenzieller neuer Premierminister seine Volksnähe unter Beweis. Andy Burnham fuhr mit dem Zug von Manchester nach London, begleitet von etlichen Journalisten und Schaulustigen. Der Bürgermeister von Greater Manchester hatte vergangene Woche eine Nachwahl im Wahlkreis Makerfield gewonnen und zog daraufhin als Abgeordneter in das britische Unterhaus ein. Nach der Vereidigung in Westminster schoss der 56-Jährige ein Selfie mit der Regierungsfraktion – der Beginn des ersehnten Stimmungsumschwungs bei der Labour-Partei?

Momentan gibt es kaum Zweifel, dass Burnham den scheidenden Keir Starmer beerben soll. Starmer hatte am Montagmorgen mit der Ankündigung seines Rücktritts den Weg frei gemacht, Burnham daraufhin seine Kandidatur für die Parteispitze bekannt gegeben.

Sein Image des „local lad“ (etwa: Junge von nebenan) hat dem 56-Jährigen zu großer Popularität in Manchester und darüber hinaus verholfen. Ein Jahrzehnt lang hatte er sich von der nationalen Bühne verabschiedet, nachdem er zweimal erfolglos als Labour-Chef kandidiert hatte. Inzwischen gilt er als beliebtester Politiker der Sozialdemokraten im Land. In Manchester gelang Burnham, woran viele Lokalpolitiker im wirtschaftlich abgehängten Norden Englands verzweifeln. Er schaffte es, Investitionen in die Stadt zu holen. Symbol dafür sind die Bürotürme, die inzwischen die Innenstadt überragen. Zudem schuf er ein effizientes Nahverkehrssystem mit Bussen und Tram, das zwar von privaten Unternehmen betrieben wird, aber den Regeln der Stadtverwaltung unterworfen ist.

Burnham gilt wegen seiner Verdienste abseits von Westminster als Liebling des moderat-linken Parteiflügels. Ob sich der Erfolg aus dem Rathaus in Manchester auf die Downing Street übertragen lässt, ist allerdings fraglich. Die finanziellen Spielräume sind eng, und Burnham hat sich bereits dazu bekannt, weder die Steuern erhöhen noch neue Schulden aufnehmen zu wollen. Ob es ihm besser gelingen wird als Starmer, seiner sozialdemokratischen Fraktion schmerzhafte Einschnitte beim Sozialstaat abzuringen, ist ungewiss. Dazu kommt das Grundsatzproblem der britischen Regierung mit dem rechten Rand. Unter Starmer war die Labour-Partei in Umfragen immer weiter hinter die Rechtspopulisten um Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage gefallen. Am Montag forderte Farage sogleich Neuwahlen, ebenso die Chefin der Konservativen, Kemi Badenoch.

In welche Richtung Burnham das Land außenpolitisch führen will, ist unklar. Zwar gilt er als proeuropäischer als Starmer. Doch seine frühere Äußerung, er wolle eine Rückkehr in die EU erleben, schien ihm zuletzt unangenehm zu sein. Investitionen ins Militär, wie sie Starmers zurückgetretener Verteidigungsminister forderte, dürften auch für Burnham schwierig umzusetzen sein. Wie sich der populäre Bürgermeister gegenüber den USA unter Donald Trump positionieren wird, bleibt abzuwarten.

So siegessicher Andy Burnham sich auch gibt: Es gibt Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Zwei weitere Labour-Abgeordnete haben sich für eine mögliche Nachfolge ins Gespräch gebracht: Al Carns und Darren Jones. Der ehemalige Staatssekretär für Streitkräfte, Al Carns, erklärte am Dienstag, er wolle zunächst Burnhams Vision für das Land hören, bevor er sich auf eine eigene Kandidatur festlege. Britischen Medienberichten zufolge wurde zudem Regierungsminister Darren Jones von mehreren Abgeordneten ermutigt, ebenfalls zu kandidieren. Die Wahl des neuen Premiers – der siebte in zehn Jahren – soll bis Anfang September abgeschlossen sein. Bis dahin will Keir Starmer Regierungschef bleiben.

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