Milliarden-Pakt für Bayerns Unis

von Redaktion

So könnte der Eingang des Super-Klinikums Großhadern mal aussehen – hier eine Vorentwurfsplanung. Rechts: Wissenschaftsminister Markus Blume. © ARGE HENN I C.F. Møller

München – Von Markus Söder weiß man, dass er Fotos eigentlich prima findet. Diese nicht. Auf den Bildern: Tropfende Dächer, Pfützen und Plastikeimer auf den Fluren, angeschimmelte Wände, mit Flatterband notdürftig abgesperrte Areale – Innenansichten aus bayerischen Hochschulen, zu einer Ausstellung zusammengesammelt von genervten Studenten. Das war Ende 2025 ihr Alarmruf, wie marode manche Lehrgebäude in Bayern sind. Die Bilder haben etwas bewirkt: Jetzt stellen Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) die bisher größte Sanierungsoffensive vor und ein noch größeres Neubau-Programm.

Ja, sagt Blume am Dienstag nach der Kabinettssitzung vor Journalisten, die Fotos seien „nicht bayern-like“, das müsse man schnell ändern. In einem ersten Schritt packt der Freistaat 209 Millionen Euro in die schlimmsten Mangelbuden bayernweit. In München wird das Walter-Schottky-Institut an der TU teilsaniert, das löchrige Dach der Uni Regensburg wird gestopft, die Zentralbibliothek in Würzburg saniert.

Das Geld dafür, so großzügig das klingt, kommt allerdings nicht direkt aus Bayern, sondern vom Bund. Die hunderte Millionen fließen über das „Sondervermögen“, also die milliardenschweren Schuldentöpfe in Berlin. Darauf weist auch die Bayern-SPD hin: „So schmückt man sich mit fremden Federn“, spöttelt Haushaltspolitiker Volkmar Halbleib, er fordert mehr Einsatz.

Die Investitionen reichen allerdings viel weiter. Parallel hat der Ministerrat Rekordinvestitionen in die Uni-Kliniken beschlossen, und das summiert sich über einige Jahre hinweg auf rund neun Milliarden Euro. Auch hier rollt ein großer Brocken nach München, mit 2,2 Milliarden Euro wird das Klinikum Großhadern verstärkt. Das Herz-Lungen-Gefäßzentrum wird aufgebaut, die Onkologie verstärkt, ein Diagnostikum geschaffen. Die 69.000 Quadratmeter und 600 Betten sind die ersten Schritte zum Mega-Ausbau des LMU-Klinikums. Für die Uniklinik Würzburg (Kopfklinikum und das neue Frauen/Kind-Zentrum) fließen knapp zwei Milliarden. Besonderheit hier: Zum ersten Mal wird eine bayerische Klinik kriegsfest gebaut, unterirdisch entstehen in der Tiefgarage bunkerartige Räume für 100 Betten und zwei OP-Säle. Fünf Milliarden Euro will der Freistaat für die Uniklinik in Augsburg ausgeben, die schrittweise entsteht. Endausbau dort: 125.000 Quadratmeter.

Zeit-Ziele: Mitte der 2030er für München und Würzburg, Anfang 2040er in Schwaben. Dabei probiert Bayern an den drei Standorten drei unterschiedliche Baustrukturen aus: In Großhadern baut ein Totalunternehmer, in Würzburg werden die Gewerke einzeln vergeben, in Augsburg wird mit einer Partnerschaft mit Privaten experimentiert. Insgesamt hat Bayern sechs Uniklinika mit 9000 Betten, 40.000 Mitarbeitern und 380.000 stationären Patienten pro Jahr, 2,2 Millionen ambulant.

Teil der aktuellen Offensive ist auch ein Großprojekt für Erlangen. Dort wird das leistungsstärkste MRT (Magnetresonanztomographie, also Bildgebung im Körper) der Welt entstehen. Man könne damit „winzigste Gewebestrukturen“ sehen, sagt Söder, und Krebs schon in frühesten Stadien erkennen. „Das rettet Leben.“ Von den 46 Millionen Euro trägt Bayern die Hälfte. Söder lässt fallen, die Medizin-Offensive für eine optimale Versorgung überall im Freistaat sei „Teil unserer großen Bayern-Erzählung“. Zur Erinnerung: Parteivize Manfred Weber beklagt wiederholt, Söder fehle eine solche „Erzählung“, also der strategische Überbau, wofür die Politik im Land dient.

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