Man will ja nicht schon wieder das ganz große Bahndrama herbeischreiben – aber: So eine Panne mit dem Zugfunk, der zwei Stunden lang wie weiland Orkan Kyrill den Bahnverkehr in ganz Deutschland (!) hinwegfegt, darf einfach nicht passieren. Es ist ein Versagen der ohnehin oft wegen ihres Baumanagements kritisierten DB InfraGo, also jener Bahntochter, die wegen der maroden Infrastruktur und schlecht geplanter Baustellen ohnehin im Feuer steht. Dass InfraGo-Chef Philipp Nagl die Panne in einer äußerst dürren Mitteilung mit einem Fehler beim Austausch einer „technischen Komponente“ erklärt, passt ins Bild. So eine nichtssagende „Erklärung“ schreit zum Himmel. Zumindest hat die Öffentlichkeit, haben die tausenden genervten Bahnkunden Anspruch auf verständliche Beschreibungen des Problems.
Man muss fast von Glück sprechen, dass die Panne am späteren Abend geschah, und nicht im Berufsverkehr. Auch hat es die Bahn geschafft, trotz der Panne alle Züge zum nächsten Bahnhof zu manövrieren. Niemand saß auf freier Strecke fest, alle Fahrgäste konnten mit Taxigutscheinen, Ersatzverkehr, notfalls Hotelzimmern versorgt werden. In dieser Art von Notfallmanagement ist die Bahn mittlerweile geübt.
Aber man muss kein Hightech-Experte sein, um zu erkennen: Wie in so vielen Fällen mangelt es auch hier an Resilienz. Handynetze, Stromkreisläufe, Informationskanäle – Deutschland, in diesem Fall die Bahn, muss krisenfest werden. Konkret mangelt es, wie auch Lokführer intern kritisieren, an einer Rückfallebene, die den Bahnfunk absichert. Paradox ist: Je digitaler die Bahn wird, desto gravierender wird diese Problematik. Früher, mit Weichenstellern an jedem Bahnhof, benötigte man keine „Rückfallebene“. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Bahnchefin Evelyn Palla sollte dieses Thema umfassend zur Chefinnensache machen.DIRK.WALTER@OVB.NET