Zwei Schwaben: Özdemir und Rukwied (r.) © DBV
Freiburg – Der eine kam in seiner neuen Rolle zum Deutschen Bauerntag nach Freiburg, der andere hatte seinen letzten großen Auftritt vor dem Bauernparlament – und beide „schwätze Schwäbisch“: Cem Özdemir (Grüne), der bis Mai 2025 Bundesagrarminister war, gab gestern sein Debüt als baden-württembergischer Ministerpräsident, Joachim Rukwied hielt seine letzte Grundsatzrede als deutscher Bauernpräsident. Ein Jahr noch steht der aus dem Kreis Heilbronn stammende Landwirt Rukwied an der Spitze des Bauernverbands, 2026 wird auf dem Bauerntag in Aachen ein Nachfolger gewählt. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
Bei seiner letzten Grundsatzrede zeigte sich der stets etwas spröde Bauernfunktionär kämpferisch. Von der Bundesregierung forderte er, dass sie endlich den angekündigten Politikwechsel umsetzt. „Unsere Landwirte brauchen kurzfristig spürbare Entlastungen – das müssen steuerliche Erleichterungen und ein echter Bürokratieabbau sein“, sagte Rukwied (64), der seit 2012 DBV-Präsident ist. „Die aktuelle Flut an Vorschriften und Dokumentationspflichten bremst Investitionen und schwächt unsere Innovationskraft.“ Die desaströse Preisentwicklung in verschiedenen Produktionsbereichen treibe ihn um. Für viele Landwirte rechne sich ihre Arbeit nicht mehr. Gleichzeitig klagten Verbraucher über steigende Preise. „Da stimmt etwas nicht. Da muss sich was ändern.“ Der Markt werde das nicht richten.
Rukwied versicherte, dass die Bauern für Demokratie und ein starkes Europa stünden: „Vereinfachten Parolen und spalterischen Tendenzen erteilen wir eine klare Absage.“ Die Ränder rechts und links nannte er eine „Gefahr für unser soziales Miteinander“. Hier gelte es, gemeinsam dafür zu kämpfen, die Mitte weiterzugestalten. Mit aller Kraft will er sich in seinem letzten Jahr dafür starkmachen.
Cem Özdemir, der eher verhalten von den Bauern empfangen wurde, rief dazu auf, Naturschutz und Landwirtschaft nicht gegeneinander auszuspielen. Er forderte mehr Geld für die Zukunft der Tierhaltung, und zwar aus dem 100-Milliarden-Sondervermögen. Am Bundesrat werde es nicht scheitern, Baden-Württemberg werde das kraftvoll unterstützen.CLAUDIA MÖLLERS