Milliarden-Murks der Marine

von Redaktion

Da war er noch guter Dinge: Boris Pistorius bei der Kiellegung einer Fregatte F126 vor zwei Jahren. © Sauer/dpa

München – Die GIUK-Lücke verdankt ihren Namen der Lage zwischen Grönland, Island und Großbritannien (UK). Das Akronym bezeichnet ein Gebiet im Nordatlantik, das geostrategisch immer wichtiger wird. Hier verläuft nicht nur eine Versorgungsroute zwischen Nato-Staaten auf beiden Seiten des großen Teichs. Auch für die russische Schwarzmeerflotte führt Richtung Atlantik kein Weg an der Lücke vorbei.

Mitte 2028 soll die deutsche Marine hier das erste von vier Schiffen zur U-Boot-Jagd abstellen, doch dieses Vorhaben hat am Dienstagabend einen schweren Schlag kassiert. Da wurde bekannt, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den Auftrag für die dazu vorgesehenen Fregatten F126 zurückgezogen hat. Es ist das Ende eines Projektes, das das größte der Marine hätte werden sollen, aber schon länger aus dem Ruder gelaufen war.

Ausufernde Kosten und ständige Verzögerungen sorgten bereits im Herbst 2025 dafür, dass der niederländischen Werft DSNS der Auftrag entzogen wurde. Doch auch die Prüfung eines neuen Generalunternehmers, der von Rheinmetall übernommenen Werft Naval Vessels Lürssen, versprach wenig Besserung. Der Preis für sechs Fregatten wäre von ursprünglich zehn auf über 18 Milliarden Euro gestiegen. Das Ministerium zog nun die Notbremse. Die bisherigen Kosten belaufen sich auf 2,3 Milliarden Euro. Viel Geld für null Schiffe.

Das ist wirtschaftlich so gravierend wie militärisch. Während das Ministerium noch Schadensersatzansprüche gegen DSNS prüft, will die Marine die Fähigkeitslücke für GIUK mit Fregatten des Typs MEKO-200 des Kieler Unternehmens TKMS (Thyssenkrupp Marine Systems) schließen. Vier von ihnen sind bereits bestellt für 6,3 Milliarden Euro, vier weitere wären optional für 5,3 Milliarden verfügbar. Auch sie sind zur U-Boot-Jagd geeignet und haben den Vorteil, in der Praxis bewährt und zuverlässig lieferbar zu sein. Mit 121 Metern Länge sind sie aber auch deutlich kürzer als die F126 (166 m). Das Ausbaupotenzial ist ebenso begrenzt wie der Platz für die zwei ursprünglich geplanten Bordhubschrauber, mit denen Jagd auf U-Boote gemacht werden soll.

Das Kapitel zeigt, wie schwer Aufrüstung ist, trotz Zeitenwende und Sondervermögen. Preistreiber und sonstige Hindernisse gibt es viele: komplexe Technik, Bürokratie, Auftragsstau, Personalmangel. Die F126 ist kein Einzelfall. Ein deutsch-französisches Panzervorhaben (MGCS) wackelt gerade bedenklich, das Kampfjetprojekt FCAS ist bereits gescheitert, wegen Kompetenzgerangel und unterschiedlicher Bedürfnisse. Beim Schützenpanzer Puma, einem der modernsten seiner Art, war eher die Störanfälligkeit das Problem. Die Mehrzweckfregatte F125 musste derweil ein besonders arges Manko überwinden: Sie hatte Schlagseite.

Fast zwangsläufig weckt zudem das immense Budget für Landes- und Bündnisverteidigung Begehrlichkeiten. Thomas Erndl (CSU), der verteidigungspolitische Sprecher der Union, erhofft sich dann auch eine „disziplinierende Signalwirkung an die Industrie, dass ein Projektabbruch nicht nur droht, sondern auch umgesetzt wird, wenn Projektmeilensteine bzw. Kostenziele massiv verfehlt werden“. Er begrüßt, dass nun mit TKMS ein Unternehmen zum Zug kommt, „das diesen Schiffstyp bereits mehrfach gebaut und ausgeliefert hat“.

Für Robin Wagener, Marine-Berichterstatter der Grünen, ist Pistorius‘ Entscheidung ein Ende mit Schrecken. Die F126 sei ein „Milliardenfass ohne Boden“ gewesen. Die Marine brauche keine „Goldrandschiffe in der Werft, sondern taugliche, bezahlbare Schiffe im Wasser”.

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