Lasst die Minijobs am Leben!

von Redaktion

Ringen um Rentenreform

Es muss schleunigst alles anders werden, aber für den Einzelnen darf sich bitte nix ändern: Das ist die Kurzfassung vieler Reformdebatten in Deutschland. So gesehen, ist es ein mittleres Wunder, dass auf das große und einschneidende Rentenpaket der Expertenkommission allenfalls ein bisschen Protest, aber keine Mega-Zornwelle folgte. Kriegen wir etwa doch noch die Kurve im deutschen Jammerland? Ein starkes Signal ist auch, dass sich die Spitzen der Regierungsparteien vorbehaltlos hinter die Vorschläge stellten. Na ja, fast vorbehaltlos.

In einem Detail gibt es Debatten, das aber zu Recht. Die Minijobs sollten bei der Reform nicht vollständig weggewischt, sondern klug reformiert werden. Ja, sie sind zu weit verbreitet, verdrängen reguläre Jobs und steuern zu wenig bei zur Rentenversicherung. Die Dimension von 6,5 Millionen spricht nicht dafür, dass das eine stabile Brücke in den Arbeitsmarkt ist – eher ein Umgehungsbestand in unserem verkrusteten, überbürokratischen und mit aberwitzig hohen Lohnnebenkosten überteuerten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsmarkt. Bei Umfang und Abgaben der Minijobs muss man ran. Natürlich darf‘s nicht sein, dass ganze Betriebe immer nur mit Minijobbern laufen.

Was aber bleiben sollte: die Flexibilität für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, auch saisonal reagieren zu können (etwa bei Erntespitzen oder im Schlussverkauf). Dazu auch der vergleichsweise unbürokratische Ablauf mit der Minijob-Zentrale. Und: der Anreiz für Privatleute, die Haushaltshilfe unkompliziert anzustellen, sonst ein klassisches Schwarzarbeitsmodell mit riesiger Dunkelziffer! Neue, viel flexiblere Teilzeit- und Zuverdienstkonzepte und umsichtig begrenzte Minijobs würden Arbeitsmarkt und Wirtschaft guttun.

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