Der Mamdani-Faktor: Die Unterstützung des New Yorker Bürgermeisters verhalf Avila Chevalier (re.) zum Sieg. © Wenig/dpa
New York – Zohran Mamdani hat hoch gepokert – und gewonnen. Nur knapp sieben Monate nach seinem Amtsantritt als New Yorker Bürgermeister unterstützte der 34-Jährige bei den Vorwahlen zum Repräsentantenhaus am Mittwoch gleich drei Kandidaten. Alle drei setzten sich durch. Viele Demokraten sehen den Dreifachsieg als Signal für eine ideologische Verschiebung innerhalb der Partei: Der linke Flügel gewinnt zunehmend an Einfluss – und Mamdani entwickelt sich zu einer seiner wichtigsten Figuren. Manche US-Medien bezeichnen ihn bereits als „Kingmaker“.
Am deutlichsten zeigt sich das am Erfolg der 32-jährigen Linksaktivistin Darializa Avila Chevalier. Die junge Doktorandin ohne vorherige politische Erfahrung gewann als Newcomerin mit Mamdanis Unterstützung im 13. Kongresswahlkreis mit mehr als 49 Prozent der Stimmen überraschend deutlich. Der langjährige Kongressabgeordnete Adriano Espaillat unterlag. Sollte die frisch gekürte Kandidatin im Herbst auch die Hauptwahl gewinnen, würde sie als erste dominikanische Frau in das US-Repräsentantenhaus einziehen. Da ihr Wahlkreis, der sich über Upper Manhattan und Teile der Bronx erstreckt, seit Jahrzehnten fest in demokratischer Hand ist, dürfte ihr der Einzug kaum noch zu nehmen sein.
Wie Mamdani gehört Avila Chevalier den Demokratischen Sozialisten an. Die Gruppierung will die Mutterpartei weiter nach links rücken; manche Beobachter sprechen bereits von einem parteiinternen „Bürgerkrieg“. In Zeiten von Donald Trump setzen die progressiven Demokratischen Sozialisten auf linken Populismus, um einen Gegenpol zu schaffen. Zudem vertreten sie eine deutlich israelkritischere Position, als es bislang innerhalb der Partei üblich war. Avila Chevalier wurde durch ihr Engagement bei den propalästinensischen Protesten an der Columbia-Universität bekannt. In ihrer Rede am Dienstagabend sagte sie mit Blick auf den Krieg in Gaza, sie wolle ein New York „das in seine Babys investiert und nicht in Bomben“.
Diese Rhetorik ist innerhalb der Partei umstritten. Auch andere Positionen Avila Chevaliers stoßen in Washington auf wenig Begeisterung. Wie die „New York Times“ berichtet, setzte sie sich unter anderem für die Enteignung von Vermietern sowie für die Abschaffung von Gefängnissen und nationalen Grenzen ein.
Auch die beiden anderen siegreichen Mamdani-Kandidaten, Brad Lander und Claire Valdez, legten einen Schwerpunkt auf den Krieg im Gazastreifen. Sie forderten, die USA müssten ihre Unterstützung für Israel beenden. Lander trat mit dem Versprechen an, sich als jüdischer Abgeordneter für die Menschenrechte der Palästinenser und gegen jede Form von Antisemitismus einzusetzen. Er gewann damit gegen Dan Goldman, der eine proisraelische Linie vertritt.
Was das demokratische Establishment beunruhigt, erzürnt derweil Donald Trump. „Mamdani hat drei Kommunisten zum Erfolg verholfen und ist dafür von den Fake-News-Medien überschwänglich gelobt worden“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Mamdanis Politik steht damit in deutlichem Gegensatz zum Kurs des US-Präsidenten – und er wird damit immer beliebter.