Trump kann zeigen, ob ihm Venezuela wichtig ist

von Redaktion

Nach den schweren Erdbeben

Anfang des Jahres war Venezuela mal kurz in den Schlagzeilen der Welt – als Donald Trump in den frühen Morgenstunden des 3. Januar den Präsidenten Nicolás Maduro festnehmen und außer Landes bringen ließ. Seitdem schmort der 63-Jährige in einem New Yorker Bundesgefängnis. Doch wirklich geändert hatte sich in Venezuela nichts. Regierungschefin ist jetzt Delcy Rodríguez, zuvor war sie Maduros rechte Hand. Es gab ein wenig mehr Hoffnung, die Menschen trauten sich etwas mehr, ihre Meinung zu sagen. Doch die harten Maduro-Gesetze blieben in Kraft, von echter Demokratie keine Spur.

Nun ist Venezuela zurück in der Weltpresse. Die Bilder und Videos von den verheerenden Schäden der beiden Erdbeben sind erschütternd. Die möglichen Opferzahlen schwanken in Zehntausender-Schritten. Dabei steht jedes einzelne für immenses Leid. Nichts ist mehr wie vorher. Und dabei war vorher schon vieles ziemlich schlecht. Wieder einmal trifft eine Naturkatastrophe ausgerechnet jene, die ohnehin am verletzlichsten sind.

Das südamerikanische Drama bekommt durch die Vorgeschichte mit Trump und Maduro eine zusätzliche politische Komponente. Der erfolgreiche Schlag gegen Maduro hatte den US-Präsidenten zu mehreren weiteren politischen Abenteuern ermutigt (wenig erfolgreich). An Venezuela aber verlor er das Interesse. Auch die US-Ölkonzerne agierten verhältnismäßig vorsichtig: Ohne Reformen keine Goldgräberstimmung.

Und nun? Im Januar hatte Trump noch davon geträumt, dass die meisten US-Venezolaner jetzt in die Heimat zurückkehren könnten. Ein halbes Jahr später droht das Gegenteil: eine Flüchtlingswelle, weil über Nacht aus der allgemeinen Armut eine bittere Notlage geworden ist. Klar ist: Ohne Hilfe der reichen USA wird Venezuela nicht auf die Beine kommen. Trump kann zeigen, ob ihm das Land wirklich wichtig ist. Skepsis ist leider angebracht – wie immer bei ihm.MIKE.SCHIER@OVB.NET

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