Zehn Jahre lang besaßen die Republikaner ein Monopol auf die Mobilisierung der amerikanischen Massen. Für Donald Trump nahmen Anhänger Haftstrafen in Kauf, als sie zum Baseballschläger griffen und das US-Kapitol stürmten. Das Höchste an Begeisterung, das vielen Demokraten für ihre Politiker blieb, war hingegen ein schulterzuckendes: Sie sind das geringere Übel.
Darum wollen sich die Demokraten neu erfinden – mit einem neuen Gesicht: Zohran Mamdani. Der 34-jährige Bürgermeister von New York löst mit seiner progressiven Politik Begeisterung aus und entwickelt sich zu einem landesweiten Machtfaktor in der Partei.
Wo ein Demokrat Erfolg hat, ist der Vorwurf des US-Präsidenten nicht weit: „Kommunist!“ Das ist Mamdani nicht. Er ist jedoch Populist. So verbindet er (ironischerweise nach Trumps Vorbild) komplexe Konflikte mit einfachen emotionalen Botschaften – inklusive Israelkritik mit teils offen antisemitischem Klang. Angesichts der Beliebtheit des Mamdani-Modells streiten die Demokraten darüber, ob sie endgültig den Weg des Populismus einschlagen sollten. Die Verlockung ist verständlich: Denn die Republikaner feierten damit Erfolge – und sind ihnen schon um Meilen voraus. Amerikas Rechte flirten nicht nur mit Populismus, sie sind mit ihm verheiratet. Der Trumpismus hat die Partei ausgehöhlt.
Die Demokraten drohen nun, denselben Fehler zu machen. Denn Populismus ist nicht die Lösung, sondern eine der Ursachen des amerikanischen Problems: Während er vorgibt, den Willen des Volkes zu vertreten, treibt er es in Wahrheit auseinander. So müssen sich die Demokraten entscheiden: Wollen sie sich gegen die Politik wehren, die die USA spaltet – oder nur mit Mamdanis Hilfe lernen, das Spiel besser zu spielen?SOPHIA.BELLIVEAU@OVB.NET