Energieengpässe: Ausnahmezustand auf der Krim

von Redaktion

Leere Touristenliegen auf der Krim. © Maltseva/AFP

Simferopol – Nach den jüngsten ukrainischen Angriffen haben die Behörden auf der Krim den Ausnahmezustand ausgerufen. „Es ist eine Entscheidung getroffen worden (…), Dekrete zu unterzeichnen, mit denen der Ausnahmezustand auf regionaler Ebene in der Republik Krim und der Stadt Sewastopol erklärt wird“, teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow am Freitag mit. Es ist das erste Mal seit Beginn des Angriffskriegs, dass die Krim derartigen Energieengpässen ausgesetzt ist.

Am Vortag hatte Aksjonow Stromabschaltungen auf der Halbinsel angekündigt, um den Engpässen entgegenzuwirken. Die Krim stehe vor einer „schwierigen Zeit“, die Treibstoffsituation sei am schwierigsten. „Ich kann weder genau sagen, wie lange es dauern wird, noch kann ich den konkreten Aktionsplan öffentlich bekanntgeben.“

Die Ukraine greift seit mehreren Wochen gezielt Infrastruktur und Tanklaster an, welche die Krim versorgen, um Energieengpässe zu verursachen. In der Folge wurden der Verkauf von Treibstoff eingestellt, Stromabschaltungen verhängt, aber auch Sommerlager abgesagt. Die Krim ist trotz des Krieges, in dessen Verlauf zehntausende Menschen getötet und weitreichende Zerstörungen angerichtet wurden, immer noch ein beliebtes Urlaubsziel der Russen.

Aksjonow erklärte, die russische Armee sei nicht in der Lage, die Halbinsel vollständig zu schützen. Es gebe „keine Luftabwehrsysteme auf der Welt, die hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit absolut perfekt sind“. In der Nacht zum Freitag schoss die russische Luftabwehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums landesweit insgesamt 660 ukrainische Drohnen ab, die neben der Krim unter anderem auch Ziele in der Region Moskau angesteuert hatten. Die Zahl ist eine der höchsten seit Beginn des Konflikts vor mehr als vier Jahren. Nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin wurden mindestens 47 auf die Hauptstadt zusteuernde Drohnen abgefangen.

Die Verhängung des Ausnahmezustands auf der Krim markiert nun eine weitere Eskalation und bestätigt Kiew in seinen Bemühungen. Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass Präsident Wolodymyr Selensky eine Geheimdienstoperation abgesegnet hat, die 40 Tage dauern und dazu dienen soll, Russland zum Frieden zu zwingen. Die jüngsten Drohnenattacken, zum Teil über mehrere tausend Kilometer hinweg, bezeichnet Selenskyj als „Langstrecken-Sanktionen“.

Im Kreml wächst angesichts der ukrainischen Erfolge offenbar die Nervosität. Russische Oppositionsmedien berichten, die Zahl der neu rekrutierten Vertragssoldaten sei inzwischen so niedrig, dass über eine Mobilisierung „auf allen Ebenen diskutiert“ werde.

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