Vier Werke sollen schließen, 100.000 Jobs wegfallen: VW holt mal wieder die Axt aus der Schublade. Dass der Konzern mit seinen über 650.000 Mitarbeitern, den vielen Töchtern, Marken und Beteiligungen zu groß und verschachtelt ist, ist seit vielen Jahren bekannt. Auch Stellenabbau- und Verlagerungspläne gibt es immer wieder. Heute reichen allerdings schon die Stichworte Standort, China und Energie, um jeden noch so harten Einschnitt zu erklären. Dass VW nach wie vor Milliardengewinne schreibt? Nebensache.
VW braucht dringend Veränderung. Der Autoriese muss besser werden, um mitzuhalten. Intern bekriegen sich die Marken oft, statt an einem Strang zu ziehen. Das geht so nicht weiter. Die Eigentümerfamilien, das Land Niedersachsen und die Aktionäre zogen in den letzten Jahren trotz Krise über Dividenden Milliarden aus dem Konzern, statt sie zu investieren. Und die mächtige IG Metall verteidigt die in guten Jahren erkämpften Errungenschaften der VW-Mitarbeiter (35-Stunden-Woche, hohe Gehälter und Zulagen) bisher vehement. Dass VW-Boss Oliver Blume nun die Axt auf den Tisch legt, soll die maximale Drohkulisse aufbauen, um Zugeständnisse zu erpressen.
Es stimmt, vermutlich müssen die Mitarbeiter in deutschen Autofirmen auf das eine oder andere Privileg verzichten. Das gilt nicht nur für VW. Alle Härten voll auf das Personal abzuwälzen, ist dennoch falsch. Zumal sich bei VW das Management und die Arbeitnehmervertreter ohnehin erst vor etwas mehr als einem Jahr auf einen Abbau von 50.000 Jobs geeinigt hatten. Und es gibt einen weiteren Grund: Deutsche Hersteller müssen bei E-Mobilität, autonomem Fahren und Digitalisierung anpacken und dürfen dabei weder Qualität noch Markentradition und Design aus den Augen verlieren. Wollen sie ihre Marktanteile wirklich schnell zurückerobern, brauchen sie Personal. Setzt man es jetzt in kopflosen Sparrunden vor die Tür (und oft gehen ausgerechnet die Besten), muss man es später wieder einstellen.ANDREAS.HOESS@OVB.NET