Vier Wochen Auszeit ohne Berge und Politik: Ilse Aigner, hier 2013 bei Grassau. © Kneffel/dpa
München – Eine Tortur muss das Knie noch durchhalten, unbedingt: Beim festlichen Sommerempfang des Landtags Mitte Juli will Ilse Aigner noch tapfer das stundenlange Defilee abnehmen, tausend Hände schütteln, übers Schleißheimer Schlossareal flanieren. Bald danach aber wird die Landtagspräsidentin für mehrere Wochen verschwinden. Im Sommer zieht sich die 61-jährige CSU-Politikerin aus der Öffentlichkeit zurück für eine Knie-OP und eine gründliche Reha.
„Ich muss eine Verletzungspause einlegen, weil mein Knie kaputt ist“, kündigte Aigner diese Woche vor Journalisten in München an. Sie werde sich „mindestens vier Wochen aus dem Spiel nehmen“. Dann sei sie auch mal nicht erreichbar und bitte dafür um Verständnis. Die 80-Stunden-Wochen dürften den Knien viel abverlangt haben, die Hobbys Wandern und (E-)Biken in der wenigen Freizeit in der oberbayerischen Heimat auch. Nun wird eine Teilprothese eingesetzt.
Verletzungspause – klingt vertraut? Zum Jahreswechsel war es ja der Ministerpräsident, der sich für einen lange vor sich hergeschobenen Eingriff zurückzog, in diesem Fall an der Hüfte. Er kam schnell zurück, vielleicht zu schnell. „Mir fällt es vor allem schwer, Ruhe zu geben“, räumte Markus Söder ein, und dass er für Ärzte kein einfacher Patient sei. Aigner will hingegen das Knie gut auskurieren und die mehrwöchige Reha-Phase konzentriert und ungestört angehen. Dass dann im Parlament Sommerpause ist – und zwar recht ausgedehnt zwischen 23. Juli und Mitte September, fast parallel zu den Schul-Sommerferien –, lindert den Termindruck. Im Landtag stehen zudem vier Stellvertreter von CSU, FW, Grünen und SPD bereit, um Termine der Präsidentin zu übernehmen. Sie würden, falls eine Eilberatung einberufen werden müsste, dann auch diese Sitzung leiten.
Auf Aigner kommt ja wohl ein turbulenter Herbst zu. Politisch fällt in den Wochen ab Ende September die Vorentscheidung in der Koalition, wer neues Staatsoberhaupt wird. Die Oberbayerin wird als eine Kandidatin gehandelt im Rennen ums Amt der Bundespräsidentin. Dann am besten mit nagelneuem Knie.
Eine vielleicht wichtige Rede hält sie übrigens noch vor der Operation. Am 6. Juli tritt Aigner bei einem Festakt in der Ludwig-Maximilians-Universität in München auf, es geht um die Anfänge der Bayerischen Verfassung von 1946. Ihre Festrede trägt den schon auch recht bundespräsidialen Titel „Plädoyer für eine versöhnte Gesellschaft“.C. DEUTSCHLÄNDER