Philosophieren über Unsterblichkeit: Wladimir Putin und Xi Jinping (beide 73) sprechen über die neueste Forschung. Der 30 Jahre jüngere Kim Jong-un hört gebannt zu. © Kazakov/AFP
München – Wie zwei Rentner schlendern Wladimir Putin und Xi Jinping über den roten Teppich in Peking. Die Militärparade wird jeden Moment beginnen, doch dem Kremlchef liegt offenbar etwas auf dem Herzen: das Altwerden. Man könne inzwischen menschliche Organe „ständig ersetzen“, sagt er, sodass Menschen immer jünger werden könnten. Vielleicht sogar unsterblich. Chinas Staatschef lächelt und nickt. „Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnten Menschen 150 Jahre alt werden“, fügt er hinzu.
Für die Öffentlichkeit ist das nicht bestimmt. Doch ein Mikrofon fängt die Stimmen der Dolmetscher auf – und das Gespräch wird versehentlich live im chinesischen Staatsfernsehen übertragen. Seit vergangenem Herbst kursiert diese absurde Plauderei im Netz. Zwei alternde Autokraten, die noch lange nicht ans Aufhören denken wollen und über das ewige Leben fantasieren. Doch inzwischen zeigt sich: Die beiden 73-jährigen Männer haben das völlig ernst gemeint.
Was wie Größenwahn klingt, ist längst ein Forschungsprojekt des Kremls. Laut dem „Wall Street Journal“ hat die russische Regierung kürzlich eine Gentherapie angekündigt, die die Zellalterung verlangsamen soll. Das Programm „Neue Technologien zur Erhaltung der Gesundheit“ soll 26 Milliarden Dollar kosten.
Russische Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auf zwei Schlüsseltechnologien: Bioprinting und Xenotransplantation. Beim Bioprinting soll lebendes Gewebe mit dem 3D-Drucker hergestellt werden. Kremlforscher haben nach eigenen Angaben bereits menschliches Knorpelgewebe und eine Schilddrüse für Mäuse „biogedruckt“. Bis 2030 sollen menschliche Organe ersetzt werden können, so die Agenda.
Einen ähnlichen Zeitplan gibt es für die Xenotransplantation. Dabei sollen menschliche Organe in Mini-Schweinen heranwachsen, deren genetische Eigenschaften als besonders kompatibel mit dem Menschen gelten. „In der Russischen Föderation wird an einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Programme in diesem Bereich gearbeitet“, heißt es aus dem Kreml.
Schlüsselfigur des Projekts ist Michail Kowaltschuk, ein langjähriger Freund der Putin-Familie. Er gilt als Lieblingswissenschaftler des Präsidenten. „Es ist schwierig, über Unsterblichkeit zu sprechen – aber die Fähigkeit, den Menschen zu reparieren, wird zweifellos zunehmen“, sagte Kowaltschuk russischen Medien zufolge. Wesentliche Ergebnisse seiner Langlebigkeitsforschung wurden bislang allerdings kaum in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.
Eine wichtige Rolle spielt Putins Tochter Maria Woronzowa. Die Endokrinologin, also Spezialistin für das Hormonsystem, leitet mehrere staatlich geförderte Genetikprogramme.
Seit Jahren kursieren Gerüchte über Putins Gesundheitszustand. Mal heißt es, er habe Krebs, mal Parkinson. Erst vor einigen Wochen wurden die Spekulationen durch ein Video angeheizt, in dem Putin während einer Präsidentenansprache unkontrolliert zu husten beginnt. Der Kreml weist sämtliche Vorwürfe konsequent zurück.
Der Russland-Experte Peter Pomerantsev erklärte bereits vor einigen Jahren, Putin habe eine „besonders ausgeprägte“ Angst vor dem Tod. Auch der russische Journalist Michail Rubin, Mitautor einer Putin-Biografie, berichtet, Putin reise regelmäßig mit einer großen Gruppe von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen. „Putin träumt davon, noch viele Jahre zu regieren, und setzt große Hoffnungen in die Fortschritte der modernen Medizin“, sagte Rubin.
Putin macht aus seiner Faszination für die Lebensverlängerung keinen Hehl. „Moderne Methoden zur Verbesserung der Gesundheit, einschließlich verschiedener chirurgischer Eingriffe mit Organersatz, geben Anlass zur Hoffnung, dass die Lebenserwartung der Menschheit deutlich steigen wird“, erklärte er bei einer Pressekonferenz in Peking.
Die aktuelle russische Verfassung sieht vor, dass er bis 2036 im Amt bleiben kann. Dann wäre Putin 83 Jahre alt – und 36 Jahre ununterbrochen an der Macht. Nicht einmal Josef Stalin hielt sich so lange.