Fast 60 Jahre dauert der Streit zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und dem Vatikan – seit der abtrünnige französische Erzbischof Marcel Lefebvre 1969 die traditionalistische Gemeinschaft aus Protest gegen das II. Vatikanische Konzil gegründet hat. Danach haben sich verschiedene Päpste an den Traditionalisten abgearbeitet, um auf jeden Fall ein Schisma, eine Kirchenspaltung, zu vermeiden. Der deutsche Papst Benedikt XVI. hatte noch 2009 den Piusbrüdern die Hand gereicht, was ihm heftige Kritik eintrug.
Am Mittwoch wollen die abtrünnigen Traditionalisten im schweizerischen Econe/Wallis vier Bischöfe weihen – gegen das ausdrückliche Verbot aus dem Vatikan und die Drohung, dass diese Weihe die höchste Kirchenstrafe, die Exkommunikation, nach sich ziehen werde. Jegliche Gespräche scheiterten.
Papst Leo XIV. wird nicht anders können, als die Kirchenspaltung zu vollziehen, wenn die Piusbrüder ihre Ankündigung umsetzen. „Es ist ihre Entscheidung“, hat er erklärt. Ein Schisma ist ein Trauma für eine Kirchengemeinschaft. Aber wenn eine Gruppe von Priestern und Gläubigen nicht nur die moderne Liturgie, sondern auch mit gefalteten Händen die Möglichkeit einer grundsätzlichen Entwicklung der Kirche leugnet, hat sie sich selbst aus dieser Kirche entfernt.
Für die aktuellen Reformdebatten aber könnte das schwerwiegende Folgen haben. Weil Papst Leo weitere Kirchenspaltungen mit allen Mitteln vermeiden wird, könnten erhoffte Veränderungen bei der Rolle der Frau in der Kirche, der Sexualmoral und der Machtverteilung erst einmal vertagt werden. Die Piusbrüder hätten damit den Reformgegnern einen Dienst erwiesen.CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET