Piusbrüder vor Kirchenausschluss

von Redaktion

Papst Leo XIV. muss über die Piusbrüder richten. © Siciliani

Rom – Alle Versuche einer Annäherung sind gescheitert. Nun steht am Mittwoch, 1. Juli, ein Datum an, das die Spaltung zwischen dem Vatikan und der erzkonservativen Piusbruderschaft endgültig besiegeln könnte. An diesem Tag will die Gemeinschaft im schweizerischen Écône neue Bischöfe weihen – ohne die Erlaubnis von Papst Leo XIV.

Der Akt kommt nach geltendem Kirchenrecht einer Spaltung gleich und kann mit der automatischen Exkommunikation der Beteiligten bestraft werden. Mit Spannung wird erwartet, wie Leo auf diese extreme Provokation reagieren wird. In den vergangenen Jahrzehnten stand jeder Papst vor der Herausforderung, wie mit den Abweichlern umzugehen ist.

Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Weil die Piusbrüder viele dieser Reformen als zu liberal zurückweisen, stehen sie im offenen Konflikt mit dem Vatikan.

In den vergangenen Wochen bemühte man sich noch um Schlichtung – vergeblich. Letztlich gab der Obere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, in einem Brief an den Vatikan bekannt, nicht auf die Bischofsweihe verzichten zu wollen. Das Schreiben war die Antwort auf den Vorschlag des Vatikans, in einen Dialog zu treten.

Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Victor Fernández, hatte eine Woche zuvor Pagliarani zum Gespräch getroffen und ihm einen „spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik“ vorgeschlagen. Auch diesen lehnte der Obere in seinem Brief ab. Nun rückt das angekündigte Datum immer näher – und damit das nächste Schisma.

Bereits 1988 war es zu einer solchen Eskalation gekommen. Auch der damalige Präfekt der Glaubenskongregation und spätere Papst Benedikt XVI. (2005-2013), Kardinal Joseph Ratzinger, hatte noch versucht, ein Schisma abzuwenden. Aber Erzbischof Lefebvre weihte vier Priester seiner Bruderschaft zu Bischöfen. Papst Johannes Paul II. bestätigte damals noch am selben Tag die Exkommunikation der fünf. Er sprach ausdrücklich von einem „schismatischen Akt“, womit nichts an der Entscheidung beschönigend interpretiert werden konnte. 2009 hob Benedikt XVI. den Kirchenausschluss wieder auf – darunter auch jenen des Holocaustleugners Richard Williamson (1940–2025), was zu viel öffentlicher Kritik führte.

Wie wird Papst Leo XIV. also reagieren? Erst vor wenigen Tagen äußerte er sich konkret zu den Plänen der Piusbruderschaft. „Ich will ihnen sagen, dass sie das nicht tun sollten“, sagte er vor seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. „Aber es ist ihre Entscheidung.“ALMUT SIEFERT

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