KOMMENTAR

Einser-Wunder: Eine Frage der Gerechtigkeit

von Redaktion

Abitur in Bayern

Es ist ein glänzender Jahrgang: Die Zahl der 1,0-Abiture und derjenigen mit einer 1 vor dem Komma hat an bayerischen Gymnasien alle Rekorde gebrochen. Erst einmal herzlichen Glückwunsch! Aber in die Jubelstimmung mischen sich auch leise Bedenken. Wenn man nicht davon ausgeht, dass ein ganzer Schülerjahrgang, 30.000 Schüler, auf wundersame Weise schlauer als alle anderen davor geworden ist, so muss die auffällige Häufung sehr guter Ergebnisse auch ein Anlass zum Nachdenken sein. Es ist ein bisschen paradox: Meist jammern wir über zu schlechte Schülerleistungen (siehe Pisa), jetzt sind die Schüler plötzlich zu gut.

Niemand will die Leistungen der Schüler schmälern. Aber es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit: Die heutigen Absolventen konkurrieren mit den vorhergehenden Schülerjahrgängen um Studien- und Ausbildungsplätze. Die Noten werden weder von Universitäten noch Arbeitgebern hinterfragt, allenfalls kommen Eingangs- und Einstellungsprüfungen „on top“ dazu.

Möglicherweise hat das diesjährige Abitur zu viele Wahlmöglichkeiten gelassen, konnten Schüler zu oft ihre persönlichen Lieblings- zu Prüfungsfächern bestimmen. Hinzu kommt der Trend, mündliche Leistungen stärker zu gewichten. Das Deutsch- oder Matheabitur rein mündlich zu absolvieren, war noch im G8 undenkbar. Die diesjährigen Ergebnisse dürften jedenfalls kritisch hinterfragt werden. Künftige Abiturjahrgänge erwartet ein schwereres Abitur.DIRK.WALTER@OVB.NET

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