Schisma-Show der Piusbrüder in der Schweiz

von Redaktion

Pascal Schreiber soll zum Bischof geweiht werden. © KNA

Écône – Es ist ein katholisches Großereignis. Mehr als 10.000 Menschen werden morgen in dem kleinen Schweizer Weiler Écône im Wallis erwartet, wenn die traditionalistische Piusbruderschaft vier neue Bischöfe weihen wird – gegen den Willen des Vatikans. Schon gestern begann am Sitz des internationalen Priesterseminars der Bruderschaft eine Art erzkatholisches Festival mit der Weihe neuer Priester.

Rom blickt mit Argusaugen auf die Traditionalisten-Party. Denn die Bischofsweihen sind nach Kirchenrecht illegal, die Geweihten werden automatisch exkommuniziert (wir berichteten). Was sich da vollzieht, ist ein Schisma, eine Kirchenspaltung. Es ist das Worst-Case-Szenario für den Papst. Dessen erste Aufgabe ist die Wahrung der Einheit der katholischen Kirche.

Doch Leo XIV. reagierte zunächst gelassen. „Natürlich ist die Spaltung unter Christen immer ein schmerzlicher Punkt“, sagte der Papst vor Journalisten. Doch die Piusbrüder weigerten sich, „bestimmte grundlegende Elemente der Kirche anzuerkennen, angefangen bei einigen Punkten des Zweiten Vatikanischen Konzils“. Wenn sie die Bischofsweihen trotz Verbot Roms durchführten, sei das „bedauerlich“. „Aber wir müssen voranschreiten“, fügte Leo hinzu. Um die vom Papst nicht genehmigten Weihen und die automatische Exkommunikation noch zu vermeiden, hatten sich der Generalobere der Bruderschaft Davide Pagliarani und der Chef des päpstlichen Dikasteriums für den Glauben, Kardinal Victor Manuel Fernández, zu einem Gespräch in Rom getroffen, allerdings ohne Erfolg.

Die Traditionalisten gehen auf Konfrontation. Morgen sollen um 9 Uhr Tausende Gläubige zur Zeremonie der Bischofsweihen kommen, die auf einer Wiese vor dem Seminar stattfinden. Aus 62 Ländern sollen die Menschen angeblich anreisen. Am Donnerstag ist zum Abschluss eine große Pontifikalmesse geplant, wie alle Zeremonien der Bruderschaft im alten, tridentinischen Ritus. Auf einer aufwändig gestalteten und in sieben Sprachen verfügbaren Webseite können Unterkünfte und Mitfahrgelegenheiten gebucht und Souvenirs gekauft werden. Die Geschenkbox „Cuvée Écône 2026“ mit vier Flaschen edlem Rotwein gibt es für 75 Schweizer Franken (82 Euro). Von einer „Schisma-Show“ im Wallis schreibt die Zeitung La Repubblica.

„Wir sind überzeugt, dass die Tradition in sich sämtliche Heilmittel gegen die schlimmsten Übel birgt, unter denen die Kirche und die Welt leiden“, heißt es einem Brief der Piusbruderschaft an den Papst. Die Weihe vier neuer Bischöfe, darunter der Leiter des Priesterseminars in Zaitzkofen (Kreis Regensburg), der Schweizer Pascal Schreiber, wird als „Operation Überleben“ bezeichnet.JULIUS MÜLLER-MEININGEN

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