Personenkontrolle in einem Regionalzug. © Karmann/dpa
München – Margaretha Reuther kann sich noch gut an den Moment erinnern, als sie das Haarbüschel in der Hand des Mannes sah. „Wir wollten der Person nur helfen“, sagt die Polizistin aus Würzburg. Doch dann sei der betrunkene Mann auf sie und ihren Streifenpartner losgegangen. „Wir haben versucht, diesen Schlägen auszuweichen und ihn zu fesseln, beziehungsweise ihn zu Boden zu bringen. Bei diesem Versuch vergriff die Person sich in meinen Haaren und hat massiv an meinen Haaren gerissen“, sagt die 38-Jährige. „Ich sah dann in dem Moment nur noch ein sehr großes Haarbüschel in seiner Hand.“ Minutenlang lang habe ihr Streifenpartner versucht, sie zu befreien.
Körperliche Schmerzen habe sie etwa drei Tage lang gehabt, die seien aber aushaltbar gewesen. Doch die psychischen Folgen waren schwerer: Ein paar Tage später erlitt sie während einer Nachtschicht einen seelischen Zusammenbruch, wie sie berichtet. Sie war dienstunfähig.
Nach dem Ereignis habe sie überlegt, sich die Haare abzurasieren, damit ihr so etwas nicht noch einmal passiert. „Der Gedanke ist allerdings relativ schnell wieder passé gewesen“. Für Reuther waren die Folgen des Angriffs psychischer Schmerz, Versagensängste und Schuldgefühle. Der Täter bekam eine Bewährungsstrafe für ein Jahr und vier Monate, sie bekam Schmerzensgeld.
Reuther ist eine von mehr als 3000 Polizisten, die im vergangenen Jahr im Einsatz angegriffen und verletzt wurden. Die Zahl hat in Bayern einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3172 Beamte verletzt. Das sind so viele wie noch nie seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 2010. Die Deutsche Polizeigewerkschaft spricht von einem „besorgniserregend hohen Niveau“.
„Die Uniform darf nicht länger Zielscheibe bleiben“, sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Köhnlein. Er fordert unter anderem eine schnellere Bearbeitung entsprechender Strafverfahren und weniger Bürokratie, wenn Einsatzkräfte Schmerzensgeld fordern.
Wie das Ministerium mitteilte, mussten 13 Polizistinnen und Polizisten schwer verletzt stationär behandelt werden. Zählt man auch die psychische Gewalt dazu, lag die Zahl der Beamten, die Opfer von Gewalt wurden, bei 18.400. Die Zahl der Straftaten gegen Polizeibeamte ging insgesamt allerdings etwas zurück von 7384 im Jahr 2024 auf 7151 im Jahr 2025. Dabei machten Gewaltdelikte den größten Teil aus, gefolgt von Beleidigungen und Bedrohungen. Rund 82 Prozent der Tatverdächtigen waren den Angaben zufolge männlich, etwa 60 Prozent von ihnen standen während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.