Deutschland hat ein Problem mit Krankschreibungen und Fehltagen. Blaumacher sind aber nur ein Teil davon. Natürlich ist es ein richtiger Schritt, wenn Unternehmen (und: Behörden!) künftig ab Tag 1 ein Attest verlangen können. Das kann Missbrauch eindämmen und manch unberechtigten Verdacht ausräumen.
Wichtig daran ist aber, dass das nur ein gesetzlicher Rahmen ist, dass es also den Betrieben und Mitarbeitern überlassen bleibt, wie sie das umsetzen – Tag 1, 2, vielleicht auch erst 3. Die Folgewirkungen einer sehr harten Regel sind nämlich viel komplexer als ein schneller Faulbären-Vorwurf am sonnigen Brückentag. Den Arztpraxen hilft‘s nichts, wenn künftig jeder Kleinschnupfen ab Tag 1 im Wartezimmer sein Attest abholt (und dem Bürokratieabbau auch nicht). Für den Krankenstand in den Firmen wäre es aber auch fatal, wenn sich kränkelnde Kollegen ins Büro schleppen und reihum die Belegschaft anstecken. Noch ein Nebeneffekt: Wer bisher für sich begründet entschied, sich ein, zwei Tage krankzumelden und dann, vielleicht im Homeoffice, die Arbeit wieder aufzunehmen – was tun, wenn der Arzt dann vorsorglich eine einwöchige Krankschreibung ausstellt?
Die Koalition hat das Fehltage-Problem also nicht gelöst, kann sie auch nicht. Sie delegiert Verantwortung auf die Vorgesetzten und die Mitarbeiter. Sie sollen eine kluge Praxis finden – faire, vielleicht auch individuelle Regeln für Attestpflichten und Homeoffice. Das Leitziel muss sein, dass die Fehltage sinken. Dazu gehört allerdings auch, Erkrankungen auszukurieren.