Ein Wohnhaus in Kiew nach dem Angriff. © Antoniuk/dpa
Moskau – US-Kriegsexperten zufolge haben die ukrainischen Verteidiger im Abwehrkampf gegen Russland zuletzt bemerkenswerte Erfolge erzielt und die Verluste des Gegners stark in die Höhe getrieben. Laut einem Lagebericht der US-Denkfabrik CSIS (Center for Strategic and International Studies) machen der russischen Armee vor allem die zunehmenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen zu schaffen.
Insgesamt seien seit Kriegsbeginn im Februar 2022 rund zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder vermisst gemeldet worden, heißt es in dem Bericht – allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. Die russischen Gefallenen gab CSIS mit 400.000 bis 450.000 an, auf ukrainischer Seite seien es 125.000 bis 150.000. Inzwischen übersteige die monatliche Zahl der russischen Verluste auch die der Neurekrutierungen.
Trotz dieser militärisch für Russland schlechten Lage glaubt Wladimir Putin aber offenbar weiterhin, auch die ukrainische Hauptstadt Kiew erobern und so die gesamte Ukraine unterwerfen zu können. Der ukrainische Generalstabschef Oleksandr Syrskyj sagte dem Sender TNS: „Wir wissen, dass Putin seinen russischen Generalstab beauftragt hat, verschiedene Optionen zu berechnen.“ Es seien mehrere Möglichkeiten für russische Operationen ausgearbeitet worden – eine davon „mit dem Ziel, Kiew einzunehmen“. Laut Syrskyj soll der neuerliche Versuch, die 2,6-Millionen-Einwohner-Metropole einzunehmen, aus Belarus erfolgen. Das mache eine Umsetzung derzeit aber eher unwahrscheinlich. „Angesichts der jüngsten Ereignisse glaube ich jedoch nicht, dass die Führung von Belarus es wagen wird, dem Aggressor eigenes Territorium zur Nutzung zu überlassen und als Sprungbrett für eine Offensivoperation dienen zu lassen.“
Bei nächtlichen russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf Kiew sind unterdessen mindestens 20 Menschen getötet worden, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Nach Angaben der Stadt gab es mindestens 80 Verletzte. Die Angriffswelle traf erneut zahlreiche Wohnhäuser und andere zivile Objekte. Selenskyj kündigte Vergeltung an. „Wir sind für einen gerechten Frieden, eine gerechte Beendigung des Kriegs, und solange es das nicht gibt, für gerechte Reaktionen“, sagte er Journalisten an einem der Einschlagsorte in der Hauptstadt. KR