Über Aigner schwebt die P-Frage

von Redaktion

Stets nahbar: Aigner spricht mit der Präsidentin des Vereins Mütter von Srebrenica, Munira Subasic. © Trost/dpa

Mit Merkel-Raute: Ilse Aigner in Srebrenica, neben ihr Landtagsvize Markus Rinderspacher. © Trost/dpa

Sarajevo/Srebrenica – Die P-Frage begleitet Ilse Aigner bis nach Bosnien-Herzegowina. Sogar bis hierher nach Srebrenica, wo eine Gedenkstätte und ein Museum an den Völkermord an mehr als 8000 Menschen im Juli 1995 erinnern. Und wo der Verein „Mütter von Srebrenica“ die Erinnerung wachhält, angeführt von Munira Subasic. Mit ihr spricht Aigner über das Grauen von damals und über die nötigen Lehren für die Zukunft.

Und dann bringt Subasic die CSU-Politikerin etwas in Verlegenheit. Gleich zweimal spricht die bald 80-Jährige aus, worüber in Deutschland seit einiger Zeit immer eifriger spekuliert wird: ob Aigner die erste deutsche Bundespräsidentin werden könnte. Subasic sagt sogar, dass sie sich das wünschen würde, dafür bete, sie umarmt den Gast aus Bayern. Aigner bleibt so zurückhaltend-diplomatisch wie irgend möglich, um nicht abweisend zu wirken, sagt nur, dass sie dazu noch nichts sagen könne. Noch nicht?

Dass Aigner mit dem Landtagspräsidium gerade jetzt wieder auf Auslandsreise geht, lässt Spekulationen sprießen: Will sie internationale Erfahrung demonstrieren auf dem Weg zu einer möglichen Kandidatur? Tatsächlich wird sie in Sarajevo vom Staatspräsidenten Denis Becirovic empfangen, protokollarisch keine Selbstverständlichkeit.

Am 30. Januar 2027 muss die Bundesversammlung einen Nachfolger für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wählen. Im Herbst will die Koalition einen gemeinsamen Kandidaten oder eine Kandidatin präsentieren. Vermutlich Letzteres: Denn dass zum ersten Mal eine Frau das höchste Amt im Staat übernehmen soll, galt und gilt fast als gesetzt.

Deshalb und weil die Union die meisten Mitglieder der Bundesversammlung stellt, kreisen die meisten Spekulationen darum, welche CDU- oder CSU-Frauen infrage kommen könnten. Und weil einige prominente Namen mittlerweile als unwahrscheinlich gelten, bleiben vor allem diese drei übrig: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesbildungsministerin Karin Prien – und eben Aigner.

Die 61-Jährige ist politisch erfahren, verfügt durch ihre Jahre als Landes- und Bundespolitikerin über ein hervorragendes Netzwerk, pflegt einen engen Draht zum Kanzler und hat als Landtagspräsidentin gezeigt, dass sie überparteilich agieren und gut mit Menschen umgehen kann. Sie gilt als bürgernah, ausgleichend, kommunikativ. Nur: Auslandserfahrung hat sie (wie Klöckner und Prien) eher wenig.

Diesen Malus will Aigner offenbar kompensieren: Vor einem Jahr reiste sie in die Ukraine, später besuchte sie die USA und Indien. Jetzt der Besuch in Sarajevo und Srebrenica – politisch keine leichten Ziele.

Aber nicht nur Aigner bemüht sich offenbar darum, Akzente zu setzen. Klöckner war in Israel, der Ukraine, später in Litauen und Estland und zuletzt in den USA. Prien begleitete Steinmeier nach Österreich, war in Israel, den USA, Kanada.

Bei Aigners Besuch in Bosnien-Herzegowina wird deutlich, wo ihre Stärken liegen. Dass sie nahbar ist, dank ihrer unprätentiösen Art gut mit Menschen umgehen kann – das zeigt sich im Gespräch mit Munira Subasic, die den Gast aus Bayern offensichtlich sofort ins Herz schließt. Dass Aigner andererseits nicht als große Rednerin gilt – das sehen ihr ihre Anhänger nach.

Fragen nach einer Kandidatur weicht sie aus. Nur wer sich allgemein nach den nötigen Qualitäten des nächsten Staatsoberhaupts erkundigt, bekommt ein paar Antworten. Es sei wichtig, „Brücken zu bauen, die Menschen zusammenzubringen, zu versöhnen“, sagt Aigner. Sie selbst sei „immer schon ein Mensch gewesen, der offen auf alle Menschen zugeht“. Das lässt Deutungsspielraum. Soll es wohl auch.

Artikel 1 von 11