Das Sofa ist ein ganz wunderbarer Ort – ob man ihn nun unbedingt mit Björn Höcke teilen will, ist eine andere Frage. Der Thüringer, eines der prominentesten und gesellschaftspolitisch nach wie vor radikalsten Mitglieder der AfD, befand am Wochenende jedenfalls, er wolle einen Teil des Landes auf die Couch schicken, therapieren. Wer kein gesundes, ergo: Höcke-gemäßes Verhältnis zum Vaterland habe, sei „psychisch krank“. Punkt.
Solche Sätze muss man künftig noch ernster nehmen, denn Höcke geht, wie AfD-Chefin Alice Weidel, gestärkt aus dem Erfurter Parteitag hervor. Beide haben ihre Wunschkandidaten in den neuen Vorstand hieven können, ihre jeweiligen Netzwerke stützen sich. Dass sie, Weidel, ihn, Höcke, einst wegen vermuteter Nähe zum Nationalsozialismus aus der Partei werfen wollte, spielt keine Rolle mehr. Heute ist sie sogar bereit, ganz im Sinne des Rechtsaußen die Unvereinbarkeitsliste zu schleifen, die im Grunde so etwas wie eine interne Brandmauer ist. Der anhaltende Erfolg, der im Herbst in die erste AfD-Landesregierung münden könnte, schweißt zusammen.
Man muss zur Kenntnis nehmen: Die Bundes-AfD versteht es inzwischen besser als mancher Landesverband, interne Konflikte zu kontrollieren. Man könnte das wohlwollend Professionalisierung nennen, weniger wohlwollend: Augenwischerei. Denn natürlich brodelt es im Parteigefüge weiter, wie auch das intrigenreiche Vorspiel zu Erfurt zeigte, und natürlich tickt die AfD weit radikaler, als sie sich derzeit gibt. Seriös wirken, extrem denken: Wer ein Gesicht dazu sucht, landet bei Ulrich Siegmund, der ab Herbst mit breitem Lächeln Sachsen-Anhalt umpflügen will.
Weidel und Höcke werden die AfD in den nächsten zwei Jahren prägen und, das ist anzunehmen, auch verstärkt nach Bayern hinein wirken. Aus Berliner Sicht ist es seit Langem ein Ärgernis, dass der hiesige Landesverband, eigentlich ein Pfund, nicht zur Ruhe kommt. Nun ist seit Samstag Katrin Ebner-Steiner eine von Weidels Vizes, beide können gut miteinander. Überraschend? Vor allem kalkuliert. Offenbar will Weidel das Bayern-Problem ähnlich lösen wie das mit der AfD-Jugend: durch starke Anbindung.