Man müsste mal nachzählen, wie oft heuer vorm Oktoberfest schon das Wort „Eskalation“ gefallen ist. Etwa im Januar, als bekannt wurde, dass Wirt Alexander Egger gern ein großes Zelt hätte – und die Frage aufwarf, ob die Stadt solche Zelte nicht EU-weit ausschreiben müsste. Und im April, als Egger begann, diese Frage juristisch klären zu lassen – bei der Regierung von Oberbayern und vom Obersten Landesgericht. Oder im Mai, als klar wurde: Egger hat sich auch auf die Schützenlisl auf der Oiden Wiesn beworben, ist nicht zum Zug gekommen – und klagt deshalb gegen die Stadt.
Jedes Mal war das Wort „Eskalation“ angemessen: Kaum jemand hätte sich vorstellen können, dass ein Wirt dermaßen auf Konfrontationskurs mit praktisch allen Wiesn-Beteiligten geht. Egger hat das getan und nun im Juli die nächste Entscheidung getroffen, die das Wort „Eskalation“ verdient. Er wird den Zuschlag der Stadt für sein kleines Zelt nicht nutzen, ließ die Unterschrifts-Frist verstreichen.
Rein rechtlich lässt sich das nicht beanstanden. Jeder darf Gerichte anrufen. Und dass ein Vertrag erst gilt, wenn er unterschrieben ist: Das gehört zu seinem Wesen. Trotzdem muss sich Egger spätestens jetzt kritische Fragen gefallen lassen. Insbesondere diejenige, warum er seinen Rückzug erst in letzter Sekunde bekannt gibt. Zu einem Zeitpunkt, als schon Plätze reserviert waren, als das Personal wohl auch schon Verträge für die Wiesn hatte. Und so spät, dass der Aufbau für einen möglichen Nachfolger zeitlich eng wird.
Dieser Grad der Eskalation nützt – niemandem.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET