Morgen ist D-Day für den Industriestandort Deutschland: Der VW-Aufsichtsrat entscheidet über den Vorstandsplan zur Schließung von vier deutschen Werken und die Streichung von 100.000 der weltweit 667.000 Stellen. Auch wenn die De-Industrialisierung seit Jahren unaufhaltsam voranschreitet: Einen solchen Schock hat das Land bisher noch nicht erlebt.
Es ist viel zusammengekommen: die teure Energie, die hohen Arbeitskosten, Bürokratie, Managementfehler. Doch lässt eine Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft aufhorchen. Demnach gehen 400.000 der seit 2019 verlorenen 520.000 Industrie-Arbeitsplätze auf das Konto Chinas. Auch VW hat im Reich der Mitte zuletzt einen katastrophalen Absturz hingelegt und die Marktführerschaft verloren. Chinesische Hersteller haben technologisch aufgeholt und profitieren massiv von staatlichen Subventionen (wie verbilligten Grundstücken und Krediten) und einer unterbewerteten Währung. Die Hälfte der in China jährlich produzierten 25 Millionen Autos drückt in den Export, vor allem nach Europa. „Das ist kein fairer Wettbewerb mehr“, klagt der Kanzler.
Experten sprechen vom „zweiten Chinaschock“. Der erste traf vor 20 Jahren die USA und andere Länder, als China die Märkte mit Billigprodukten wie Textilien und simpler Elektronik überschwemmte. Jetzt ist das Land eine technologische Supermacht geworden und greift den deutschen Industriekern an: die Autoindustrie, Chemie, den Flugzeug- und Maschinenbau. Deutschland muss, wenn es nicht Schiffbruch erleiden will, das Ruder herumreißen: politisch (im Oktober will der EU-Gipfel Abwehrmaßnahmen gegen China beschließen), technologisch (mit dem Aufbau einer KI-Infrastruktur und der Definition neuer Zukunftsfelder wie der Rüstungsindustrie) und wirtschaftlich (mit der Reform des zu teuer gewordenen Sozialstaats und der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts).
Ja, unsere Krise ist hausgemacht, aber eben nicht nur. Es ist Zeit, den Blick (noch) stärker auf China zu richten. Peking bedroht nicht nur unsere Sicherheit, indem es den Aggressor Russland im Krieg gegen die Ukraine unterstützt, sondern auch unseren Wohlstand, weil es mit Fleiß und Geschick, aber leider auch mit unfairen Praktiken unser Geschäftsmodell erfolgreich kopiert hat – und es letztlich zerstören will.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET